Alltagshelden

Claudia Laimer

Hofladen-Betreiberin, Seminarbetrieb-Mama, Gute Seele, Nimmt-kein-Blatt-vor-den-Mund

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Zum Alltagsheld

Claudia Laimer wohnt mir ihrem Mann Fritz und ihren drei Kindern Erik, Linde und Ida auf einem Hof in Mienbach. Dort betreibt sie einen kleinen Bio-Hofladen, sorgt für einen reibungslosen Seminarbetrieb und unterstützt Hanne im Mienbacher Waldgarten. Ihr Mann ist seit über 30 Jahren Garten- und Landschaftsbauer.

Die gelernte Erzieherin sorgt auf dem Hof für eine wunderbare, positive Energie. Durch ihre offene und zuvorkommende Art, schafft sie es, dass man sich Willkommen und angekommen fühlt. Dabei vollbringt Claudia das Kunststück, trotz allem klar und deutlich ihre Meinung zu sagen.

Ihr Motto ist: Scheiß da nix, dann feid da nix!“

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Interview

Wie war dein Weg zum Mienbacher Waldgarten?
Nachdem wir geheiratet hatten, suchten wir etwas, wo Fritz seinen Betrieb (Garten- und Landschaftsbau) unterbringen konnte und wir uns verwirklichen konnten. Wie das Schicksal so spielt, fanden wir nichts. Dann haben wir das Ganze ein bisschen auf Eis gelegt. Doch irgendwann sagte Fritz: „Ich schaue jetzt mal in die Bank rein und frage dort nach.“ Er fuhr in die Bank und der Makler sagte: „Schau, das habe ich gerade reinbekommen.“ Das war der Mienbacher Hof. Das Haus war eine bessere Ruine, das Grundstück verwildert. Wir haben es trotzdem gekauft.

Das Haus haben wir renoviert und sind eingezogen. Dort, wo jetzt der Mienbacher Waldgarten ist, sollte ursprünglich eine Baumschule entstehen. Mein Schwager hätte diese übernommen und betrieben. Doch dann hat er in eine Gärtnerei hinein geheiratet – und so hat sich das zerschlagen. Dabei hatten wir bereits 300 Bäume eingeschlagen. Wir fragten uns: Was mit dieser Fläche tun?

Die Hanne haben wir schon lange gekannt und sie hat damals ihre Ausbildung in Permakultur gemacht. Die Hanne meinte dann: „Das wäre eigentlich ein Grundstück für mich.“ Da haben wir gesagt: „Mach! Bitte übernimmt das. Wir sind froh, wenn es jemand macht!“. So ist der Mienbacher Waldgarten vor ungefähr 10 Jahren entstanden.

Der Biohof-Laden war immer ein großer Wunsch von mir. Ich habe in unserer Familie immer viel Bio gelebt. Bin früher dafür belächelt worden.

Da mein Mann Seminare gegen Gentechnik gegeben hat und Hanne mehr Seminare geben wollte, haben wir uns vor acht Jahren entschieden, die Scheune auszubauen und einen Seminarraum herzurichten. Die letzten zwei Jahre sind wir jedes Wochenende ausgebucht.

Woher nimmst Du den Mut, deinen eigenen Weg zu gehen?
Weil mich die ganze Situation hier aufregt. Die ganze Welt-Situation. Mich nerven die Lügen, die ich täglich höre. Mich nervt, wie wir mit der Natur umgehen. Mich nervt teilweise die Menschheit … wie man so blöd sein kann – das muss ich ganz klipp und klar sagen – nicht einmal zwischen den Zeilen zu lesen, sondern nur zu konsumieren. Da habe ich gesagt, nein, diesen Weg will ich mit meiner Familie nicht mitgehen. Auch wenn ich gegen verschlossene Türen rennen muss. Ich habe schon immer meine Prioritäten gesetzt und diese umgesetzt. Damit bin ich manchmal angeeckt.

Gab es Situationen in deinem Leben, an denen du kurz davor warst einen anderen Weg einzuschlagen?
Ich darf es gar nicht sagen, aber mein großer Traum als Mädchen war immer zur Polizei zu gehen. Das war mein ganz großer Traum. Im Nachhinein muss ich sagen, Gott sei Dank, ist daraus nichts geworden. Ich finde, da bin ich mir sicher, dass der Weg eines jeden Menschen vorherbestimmt ist. So wie die Hanne und ich zum Beispiel seit 10 Jahren zusammenarbeiten. Das passt einfach! Da hat es nicht einmal einen Streit gegeben. Das ist ein Miteinander – und irgendwo muss das herkommen.

Welche Bedeutung hatten Träume bisher in deinem Leben? Hast Du einen Traum, dem Du folgst?
Nein, es war kein Traum, das hat sich entwickelt. Als ich im Kindergarten gearbeitet habe, bin ich oft beim Träger angeeckt. Wir waren ein Jahr verheiratet, da habe ich zu Fritz gesagt: „Ich mache das nicht mehr mit. Ich kann da nicht mehr arbeiten. Mir tun die Kinder leid!“ Und dann bin ich, Gott sei Dank, schwanger geworden. Für mich war klar, wenn ich ein Kind in die Welt setze, dann kümmere ich mich darum. Dafür sind wir Mütter da, das ist die Natur, das ist einfach so. Da können mir lauter gescheite Leut was anderes erzählen. Sonst gäbe es nicht Mann und Frau.

Dann habe ich mich voll und ganz meiner Familie gewidmet. Zum Glück habe ich das Privileg, dass mein Mann selbstständig ist und ich hier mitarbeiten kann, wenn ich will und Zeit habe.
Ich verpöne nicht alleinerziehende Mütter, die sagen, ich muss arbeiten gehen, ich muss mein Kind in eine Kindergrippe geben. Aber mich regen die Mütter auf, die ihr Kind weggeben, nur damit sie Zeit zum Kaffeetrinken haben. Da habe ich ein riesiges Problem mit.

Kennst du Ängste und Zweifel? Wie gehst du mit ihnen um?
Angst und Zweifel jetzt eher am Anfang nicht so, weil der Garten- und Landschaftsbau da war. Angst insofern dann, als mein Mann Burnout bekommen hat. Das ist dann diese Existenzangst, die ich hatte. Da habe ich gemerkt, von der Permakultur allein, können zwei Familie (meine und Hannes Familie) nicht leben.
Dank der tollen Unterstützung von Hanne, haben wir dann mehr Seminare gemacht und die Situation überbrückt.

Was hast Du in Deinem Leben richtig gemacht?
100 % richtig gemacht habe ich, dass ich eine Familie habe. Das ist mir sehr, sehr wichtig. Wir haben drei hervorragende Kinder. Wenn ich alt bin, möchte ich, dass mich meine Kinder und Enkelkinder besuchen. Dann weiß ich, ich habe mit Sicherheit irgendwas richtig gemacht in meinem Leben.
Wir haben richtig gemacht, dass wir das Gelände überhaupt gekauft haben. Wir haben auch zu 100 %richtig gemacht, dass wir der Hanne das Gelände verpachtet haben.

Was hast Du in Deinem Leben falsch gemacht, rückblickend betrachtet?
Ich war vielleicht ein bisschen zu blauäugig. Ich habe Personen vertraut, denen man nicht Vertrauen hätte sollen. Aber im Nachhinein muss ich sagen, was uns nicht umbringt, macht uns härter. Und man lernt, man lernt sehr daraus. Ich rege mich nicht mehr so leicht auf. Es härtet dich, es stählt dich. Und ich denke mir heute: Ja, mei. Ich kann ja eh nicht mehr ändern, es ist so. Ich muss es ja hinnehmen, also was soll ich mich jetzt lange aufregen und noch mehr runterziehen lassen?

Wenn Du auf Dein bisheriges Leben blickst, gibt es wesentliche Erkenntnisse für Dich?
Ja! Ich habe ein Motto. Ganz ein typisches bayrisches Motto: „Scheiß da nix, dann feid da nix!“. (bedeutet: Sag das was dir am Herzen liegt und was du dir denkst. Meistens wird es von den Leuten positiv aufgenommen.)
Das versuche ich meinen Kindern weiterzugeben. Wir haben immer zu unseren Kindern gesagt, auch in der Schule, ihr müsst, wenn ihr meint, ihr seid im Recht, dann setzt es durch, auch vor dem Lehrer. Ihr sollt keine Duckmäuser sein. Ich will aber nie hören, dass ihr keinen Respekt vor anderen Menschen habt.

Gab es Wegmarken in Deinem Leben?
Der Grundstückskauf war ein Wegweiser. Mein Mann hat mir das Grundstück schön reden müssen.
Gibt es Vorbilder für Dich? Wenn ja, wer und warum?
Eigentlich nicht, nein. Im Gegenteil. Ich habe das Gefühl, dass ich das Vorbild für meinen Vater bin. Er hat mich früher immer total belächelt. Mein Bio, ohne Fernsehen. Er hat oft gesagt: „Jetzt spinnst komplett!“
Nach einem beinahe Schlaganfall hat er umgedacht und umgestellt auf Bio. Er ist jetzt teilweise Selbstversorger, hat das Rauchen aufgehört. Er fährt total gerne zu mir. Seinen 70. Geburtstag hat er bei uns gefeiert.
Man muss keine anderen Vorbilder haben, sondern das, was aus seinem Herzen kommt einfach machen. Ich glaube, dann ist man auch Vorbild für andere.

Gab es auf Deinem Weg wichtige Begleiter oder wichtige Beziehungen? Falls ja, wie haben sie dich begleitet?
Wichtig in meinem Leben ist meine Mutter, mein Vater, meine Schwester. Sie ist 6 Jahre jünger. Wir haben uns immer gestritten. Seitdem wir beide unsere eigene Familie haben, verstehen wir uns so gut wie nie.

Wenn Du an Dein Umfeld denkst, fühlst Du Dich eher als Aussenseiter oder eher integriert?
Ich bin ein Mensch, der auf jeden zugeht. Als wir damals angefangen haben zu renovieren, standen Fritz und ich am zweiten Tag im Haus und haben Putz von den Wänden geschlagen. Dann ist die alte Frau Weidinger reingekommen und hat gesagt: „So, ihr seid jetzt auch Mienbacher und ich lade euch zu meinem 70. Geburtstag ein.“ Weißt, und dass ist ankommen. Da wußte ich, dass ist ein Dorf, da können wir leben. Wir haben hier in dem Dorf schon viel gemacht. Maibaumstehlen, Frauen- und Männerstammtisch – weil wir uns im Winter sonst zu wenig sehen.

Wie habt ihr es geschafft, euren Weg zu gehen und trotzdem die Kinder für die Welt außerhalb eurer Familie vorzubereiten?
Einfach gemacht und nicht gefragt, was sagen die anderen dazu. Im Gegenteil, wir haben immer gesagt: Ja, wir haben keinen Fernseher, aber schaut unsere Kinder an, leben sie noch? Ja, sie leben. Und sie leben gut. Und dann machen wir am Abend Tischspiele. Und unser Sohn hat erst mit 16 ein Handy bekommen. Es hat kein Hahn danach gekräht. Unsere Jüngste ist 14 Jahre, und hat immer noch kein Handy. Sie lebt immer noch. Der geht es gut. Diese Digitalisierung kommt irgendwann, ich muss es nicht im Kindergarten mitgeben. Da muss man einfach drüber stehen. Man muss es einfach machen, und nicht mit dem Strom mit schwimmen!

Wofür bist Du bereit hinzufallen?
Da wüßte ich auf Anhieb gar nichts. Ich weiß bloß, im Permakultur-Design-Kurs hat mich mal der Kursleiter gefragt, welche Vision ich habe. Dann habe ich gesagt, ich habe keine Vision. Ich brauche keine Vision. Ich habe die Hanne, das ist mir Vision genug. Wenn was kommt, dann frage ich mich, bin ich für das bereit, oder bin ich nicht bereit.

Was beschäftigt Dich aktuell?
Speziell auf den Hof bezogen, ist uns wichtig, dass wir unseren Sohn unterstützen, wenn er den Hof übernimmt. Ich hätte gerne, dass die Kinder hier auf das Grundstück bauen. Das wäre mein großer Traum. Uns, meinem Mann und mir, würde hier ein kleines Austragshäuschen reichen, wir brauchen dieses riesen Haus nicht. Kleines Holzhäuschen reicht uns. Das wäre mein großer Wunsch, dass die Kinder hier wären und sich hier vertragen. Und die Enkelkinder zu mir kommen und wir dann Unsinn anstellen. Ja, das wäre meine Vision jetzt.

Woher nimmst Du die Zeit, um all die Dinge umzusetzen? Wie gehst Du mit der Zeit um? Wie machst Du das mit der Zeit für Dich?
Die Zeit für mich kommt wirklich zu kurz. Aber ich merke das dann immer. Ich habe eine sehr große Schwachstelle. Das ist mein Hals und mein Rücken. Und ich vertraue viel auf Sprichwörter, z. B. ich habe den Hals voll. Dann merke ich genau, ich kriege Halsschmerzen. Oft bin ich dann total heiser, dass ich keinen Ton mehr raus kriege. Das passiert mir ganz oft. Da habe ich zu wenig auf mich geachtet.

Ich arbeite einfach in den Tag hinein. Ich weiß, ich muss das schaffen. Ich habe einen Kalender, da steht die ganze Woche darauf. Wir haben drei Kinder: der eine muss dahin gefahren werden, der andere dort abgeholt usw. Einer hat ja erst den Führerschein, also muss ich das planen. Und ich habe gerne eine Übersicht über die Woche . Dann weiß ich, was ich wann erledigen muss. Ich habe gemerkt, je mehr ich in der Hektik mache, desto weniger schaffe ich. Wenn ich das Ganze ruhiger angehe, und mir denke, das mache ich jetzt – wenn ich dann noch Zeit habe, mache ich das nächste, dann schaffe ich mehr, als ich mir vorgenommen habe.

Bei all der Arbeit, hat dennoch die Familie immer Priorität.

Was würdest du einer 13-jährigem Mädchen mit auf dem Weg geben?
Ich würde erst mal fragen, welche Träume sie hat. Ob es irgendwas gibt, von dem sie träumt. Ich finde es wichtig, seine Träume zu leben. Nicht nur zu träumen, sondern sie auch zu leben. Träume sind was ganz wichtiges, und was schönes. Auf einen Traum sollte man hinarbeiten. Ob er in Erfüllung geht oder nicht, das ist dann das andere. Vielleicht kommt irgendeine Abzweigung von diesem Traum. Wo du sagst, genau das ist es. Jetzt habe ich ein neues Endziel und ich fühle mich wohl dabei. Träume oder Wegweisung braucht jeder Mensch.

Welches Buch kannst Du jedem zum Lesen empfehlen?
Ein Buch, dass mich total fasziniert hat, ist die Hütte. Ich bin jetzt kein religiöser Mensch. Aber dieses Buch „Die Hütte“ hat mich ganz komisch angesprochen. Zum ersten Mal habe ich es in einem Buchladen gesehen, da habe ich den Buchumschlag gelesen. In dem Buch wird Gott, Jesus und heiliger Geist dargestellt – und zwar persönlich. Ich fand es interessant und habe das Buch wieder zurück gelegt. Zwei Wochen später ging ich in ein Geschäft rein, das Buch lag wieder vor mir. Da dachte ich mir, das gibt es doch nicht. Dann habe ich es aber noch nicht mitgenommen. Irgendwann, ein paar Tage später, begegnete mir dieses Buch noch einmal. Dann habe ich es gekauft. Ich habe mir gedacht, das Buch springt mich an, irgendwas ist da. Ich kauft es – und las es. Ich war von dieser Schreibweise des Autors dermaßen fasziniert, brutal. Das muss man echt lesen.

Und das Schönste ist, wir haben da oben ein älteres Ehepaar. Der Sepp ist ein bisschen ein Einbrödler, kommt selten ins Dorf. Trotzdem verstehen wir uns total gut mit ihm. Er ist ein Herzensguter Mensch. Ist pensionierter Schreiner – er hat ganz viele Sachen für unsere Kinder gemacht. Wir reden so miteinander. Ich sage zu ihm: Mensch Sepp, ich lese momentan „Die Hütte“. Dann sagt er: „Ich habe es auch gelesen. Das Buch ist der Wahnsinn!“ Er ist total fasziniert. Dort erfährt man dieses Wort Liebe.

Gibt es Menschen, die Du gerne kennenlernen würdest?
Also spontan fällt mir jetzt niemand ein. Vielleicht auch deswegen, weil hier bei uns jeden Tag viele spannende Menschen da sind. So dass ich immer von so vielen Leuten umgeben bin. Nette Leute, total nette Leute. Weil ich sage immer, Leute, die hier nicht hergehören, die gehen gleich wieder. Es wird mittlerweile eine große Familie. Einfach schön, total schön.

Welche Menschen sollen zu Dir kommen?
Ich würde mir sehr wünschen, dass eher rationale Menschen zu mir kommen. Und ich wünsche mir, dass noch mehr Jugendliche zu mir kommen. Weil die tragen das, was sie hier erleben, in die Welt.

Liebe Claudia, vielen Dank für unsere Begegnung!

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Sonia & Thomas meinen

Claudia Laimer hat uns mit offenen Armen auf ihrem Hof empfangen. Ihre warme und hilfsbereite Art ist für uns vorbildhaft. Darüber hinaus geht sie ihren Weg, gegen Widerstände, gegen Angriffe. Als Erzieherin zog sie, aus den für sie nicht tragbaren Methoden, ihre Konsequenz und ging. Nun betreibt sie einen Hofladen und einen Seminarbetrieb. Damit ermöglicht sie vielen Menschen sich zu Themen wie Selbstversorgung, Permakultur und und und weiterzubilden. Ein Vorbild in Klarheit und Respekt.
5. November 2018

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Kontakt

Claudia Laimer

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