Alltagshelden

Siglinde Beck

Eselmama, Kräuterhexe, Von-Herzen-Kommende

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Zum Alltagsheld

Im wunderschönen Nördlinger Ries liegt in der Nähe von Oettingen der kleine Ort Lohe. Dort leben Werner und Siglinde Beck auf dem Holunderhof. Gemeinsam mit Galloway-Rindern, drei Eseln, vielen Katzen bauen sie dort Ur-Dinkel, Emmer an.

Siglinde Beck ist darüber hinaus eine Kräuterexpertin oder altdeutsch eine Kräuterhexe. Sie bietet Wanderungen, Vorträge und Seminare dazu an. Gemeinsam mit den drei Eseln bietet sie Eselwanderungen an – in aller Ruhe sein. Mit ca. 30 Jahren hat sie sich für ein anderes Leben entschieden und ihr bisheriges Leben damit auf den Kopf gestellt.

Ihr Motto: „Du kannst im Leben immer einen anderen Weg einschlagen!“

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Interview

Woher nimmst du den Mut, deinen eigenen Weg zu gehen?

Ich höre ganz klar auf meine innere Stimme, sie zeigt mir meinen Weg. Das war nicht immer so. Von der Erziehung habe ich das „immer schön, Ja und Amen sagen“ mitbekommen. Mit circa 30 Jahren hat sich bei mir dann was verändert. Damals dachte ich, so kann es nicht sein!

Mit 30 habe ich eine wahnsinnige Kraft und Energie bekommen. Ich dachte mir, das und das will ich anders machen oder nicht mehr so machen. Auf einmal konnte ich klar Nein sagen. Oder als Kind wollte ich immer einen Esel, und obwohl ich auf dem Bauernhof aufgewachsen bin, hatten wir nie Esel. Und 2003 habe ich eine Eseltour in Umbrien gemacht. Mein Mann hat mich dafür immer ein bisschen für verrückt erklärt. Mit meiner Schwester bin ich dann auf die Eseltour gegangen, ca. eine Woche Tag und Nacht mit Eseln unterwegs. Als ich dann wieder daheim war, sagte ich zu meinem Mann Werner: „Du, ich brauche nicht nur einen Esel, sondern mindestens zwei!“ Und seit dem stehen drei Esel bei uns auf dem Hof.

Der Wunsch war schon da, aber die Kraft es wirklich anzugehen, die habe ich erst mit 30 bekommen.

Gab es Situationen in deinem Leben, an denen du kurz davor warst einen anderen Weg einzuschlagen?

Ich wollte immer unbedingt im Büro arbeiten. Nach einer kaufmännischen Ausbildung im Verkauf gemacht, danach habe ich im Büro gearbeitet. Und nach der Beendigung der Kräuterausbildung, so Mitte 30, da merkte ich, jetzt ist das mit dem Büro vorbei. Jetzt verabschiede ich mich da und gehe einen anderen Weg!

Mir war klar, wenn ich mein Wissen mit den Kräutern umsetzen will, dann kann ich nicht mehr im Büro arbeiten, da fehlt mir dann die Zeit dazu. Darum will ich anderen Leuten Mut machen, die manchmal so unglücklich sind, mit dem was sie machen. Ich sage dann: „Du kannst im Leben immer einen anderen Weg einschlagen!“

Welche Bedeutung hatten Träume bisher in deinem Leben?

Eine Finca im Alter, auf Ibiza. Zwei Esel stehen davor, ja, das wäre ein Traum.

Kennst du auch Ängste und Zweifel? Wie gehst du mit ihnen um?

Eigentlich nicht. Eher kamen die Zweifel von Außen, von Freunden und Bekannten. Die gesagt haben: „Nein, den Bürojob würde ich nicht aufgeben! Das ist so was sicheres, überlege nochmal.“Oder als wir den Hofladen vor 4 Jahren eröffnet haben, gab es Menschen, die große Zweifeln daran hatten.

Aber wenn ich meine Entscheidung getroffen habe, dann lasse ich mich von nichts mehr abhalten, dann gehe ich meinen Weg. Dann habe ich keine Angst, sondern weiß, dass ist genau richtig jetzt. Meine innere Stimme sagt dann: „Ich weiß jetzt, dass bei mir was Neues kommt!“ Im Leben steht man ganz oft an einer Kreuzung, und dann muss man sich entscheiden. Ich trauere dort gar nicht nach, sondern ich entscheide und mache.

Was hast Du in Deinem Leben richtig gemacht?

Meine zwei Töchter und mein Mann Werner!

Und die Umstellung des Hofes zum biologischen Anbau. Das war ein ganz großer Punkt in unserem Berufsleben. Aber das war Werner und mir ganz klar. Wir wussten, so können und wollen wir nicht weiter machen. Immer nur größer, größer, größer. Wir wollten eher weniger. Werner war hier sehr klar und so stellten wir 2007 um. Manche waren wirklich begeistert, für andere waren wir „spinnert“.

Was hast Du in Deinem Leben falsch?

Letztes Jahr habe ich gemerkt, dass ich viel zu viel in der Arbeit gemacht habe. Sehr viele Abende war ich noch mit Vorträgen unterwegs. Da habe ich gemerkt, dass kostet mir zu viel Kraft, dass muss ich verändern. Ich brauche eine längere Herbst-Winterpause.

Gibt es etwas, was die heutige Siglinde, der damals 13 jährigem auf ihrem Lebensweg mitgeben bzw. sagen würdest?

Vertraue auf Dich!

Welche Erkenntnisse hast du auf deinem bisherigen Lebensweg über das Leben gewonnen?

Mir ist die Verbindung zu meinen Tieren sehr wichtig. Sowie meine Arbeit in der Natur, mit den Kräutern. Ich habe viele Plätze, wo ich Kraft tanken kann.

Gibt es Vorbilder für Dich? Wenn ja, wer und warum?

Hildegard von Bingen. Ihre Sehergabe oder die Ganzheit, wie sie damals gelebt hat. Das war 11. Jahrhundert. Sie war damals ihrer Zeit weit voraus. Und das wurde damals anerkannt!

Gab es auf Deinem Weg wichtige Begleiter oder wichtige Beziehungen? Falls ja, wie haben sie dich begleitet?

Für mich war meine Oma sehr, sehr wichtig. Sie hat mir die Nähe zur Natur, bereits als Kind, beigebracht. Wir waren viel mit meiner Oma draußen. Die war sehr wichtig für mich.

Ich habe noch eine Freundin aus der Jugendzeit. Die ist die Veränderung mit mir mitgegangen. Und es gibt Freunde, da passte es irgendwann nicht mehr. Die haben mich ein Stück weit begleitet, und dann nicht mehr. Das muss man dann auch wirklich so machen. Wenn man nichts mehr zu erzählen hat, kostet so was viel Kraft.

Wenn Du an Dein Umfeld denkst, fühlst Du Dich eher als Aussenseiter oder eher Integriert?

Hier am Hof bin ich eingeheiratet, und hier musste ich mir erst meinen Platz schaffen. Das System funktioniert wunderbar ohne dich. Ich merkte, ich muss mir mein eigenes machen.

Wie habt ihr es geschafft, euren Weg zu gehen und trotzdem die Kinder für die Welt außerhalb eurer Familie vorzubereiten?

Unser Hof liegt schon etwas abseits, so dass wir uns drum gekümmert haben. Deshalb haben wir die Kinder überall mit hingenommen oder hingefahren. Werner und mir war wichtig, dass die Kinder Kontakt zu anderen Kindern hatten.

Was beschäftigt dich aktuell?

Es steht der Weihnachtsmarkt für Mitte Dezember vor der Türe. Sonst freuen wir uns auf die ruhige Winterzeit. Und im Hinterkopf arbeitet noch, dass ich meine Wanderung auf den Jakobsweg fortsetzen möchte.

So ganz klar weiß ich noch nicht, was ich im Alter machen. Und neben einer Finca schwebt mir noch das Thema Mehrgenerationwohnen im Kopf rum. Wir könnten so viel gemeinsam voneinander lernen.

Wie schaffst Du es mit deiner Zeit gut hauszuhalten, ohne dich aus dem Blick zu verlieren?

Ich organisiere mich gut und ich lasse Dinge liegen, die nicht so wichtig sind. Und das ich nicht zu kurz komme, da muss ich aufpassen, dass ich nicht jeden Tag fülle. Sondern ich brauche meine Puffer, um wieder Kraft zu tanken. Also nicht jeden Tag volles Programm. Was mir hilft, dass ich meinen Energie in der Natur wieder aufladen kann.

Hast du eine Buchempfehlung für die Leser?

Der Biophilia-Effekt von Clemens G. Arvay. Ein junger Biologe, der nach dem Studium nur noch mit Zahlen und Statistiken gearbeitet hat. Und sagte sich, dass kann es als Biologe nicht sein. Er empfiehlt, öfters mal das Handy auszuschalten. Oder zeigt auf, wie die Natur sich positiv auf unsere Gesundheit auswirkt.

Mit welchen Menschen hättest du gerne mehr Kontakt?

Der Hof steht für alle Menschen – von jung bis alt offen!

Woher hast du deine Herzenswärme?

Ein Pfarrer hat mich mal gefragt: „Woher nimmst du deine Kraft?“. Ich antwortete: „Aus der Natur!“

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Sonia & Thomas meinen

Siglinde Beck hat uns von der ersten Sekunde an durch ihre herzliche, freundliche und klare Art beeindruckt. Sie folgte ihrer inneren Stimme und kündigte ihren Bürojob, um mit Kräutern und Eseln in der Natur zu arbeiten. Wenn es die Zeit zulässt, wandert sie ein weiteres Stück des Jakobsweges. Siglinde lebt was sie sagt und hat bereits mehrfach auf ihre innere Stimme gehört – gegen Widerstand von außen geht sie ihren Weg. Für uns ist sie ein Vorbild, weil sie ihr Leben in ihre Hand nimmt, ihre Entscheidungen trifft und umsetzt.
20. November 2018

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