Schlaflose Nächte und tolle Begegnungen

Der zweite Reisebegleiterbrief ist ein Versuch unsere abenteuerliche Reise zu einladenden Bauernhöfen und Gesprächen mit interessanten Menschen nacherlebbar zu machen. Landvergnügen sei Dank, haben wir den Luxus uns nach Laune und Lage Plätze auszusuchen, die uns für den Moment anziehen. Das macht richtig Spaß!

 

Geyersbergerhof in Hochspeyer

Nach der Käserei, wo wir nicht duschen konnten, suchten wir uns bewusst etwas aus, wo vor allem Sonia sich ihre Haare waschen konnte. So landeten wir in Hochspeyer, am Geyersbergerhof. Im strahlenden Sonnenschein fuhren wir dort auf das Plateau mit einer weiten Sicht und waren erstmal überwältigt von dem schönen Ausblick. In der Ferne grasten Pferde und wir durften unseren Wohnwagen mitten auf eine Wiese stellen. Diesen Hof zeichnet die Weite, der Platz aus. Man kann dort Swin Golf spielen, kann dort einkehren und am Sonntag lecker brunchen.

Mit dem Wetter sind wir aktuell wirklich gesegnet. Marie, Merlin und Momo konnten den ganzen Tag frei auf der Wiese spielen. Ein wahrer Genuss. Zwischenzeitlich fuhren wir hinab ins Tal und suchten einen Biomarkt. Das ist mitunter gar nicht so einfach. Wir merken immer mehr, wie verwöhnt wir in Heidelberg waren! Wir beendeten unseren Aufenthalt am Hof am Sonntag mit einem liebevoll angerichteten Brunch. Ein wahres Highlight!

Unser Wohnzimmer

Die Nächte sind deutlich zu kurz

Unser Sorgenkind sind die Nächte. Für Sonia viel zu kurz, weil Momo gerade zahnt. Thomas kann mehr schlafen, doch Marie und Merlin sind unregelmäßig wach und machen sich bemerkbar. Auf so engem Raum sind dann alle auf einmal wach. Schwierig. Wir hoffen, dass es bald für alle besser wird. Darüber hinaus fehlt Sonia oft Zeit für sich selbst. Die Abende sind viel zu kurz.


Straussenfarm Mhou in Rülzheim mit Abstecher nach Heidelberg

Unsere nächste Etappe war dann Europas größte Straußenfarm Mhou. Auf einem kleinen Platz im Seitenflügel der Farm, liegt ein Stellplatz mit 6 Plätzen. Sehr angenehm, mit naher Toilette. Wir schlugen dort gegen Mittag auf und hatten die große Freude, dass Sonias Mutter Christine Nachmittags zu Besuch kam. Voller Begeisterung warteten Marie und Merlin auf sie und gingen dann mit ihr die Strauße anschauen. Anschließend genossen wir noch plaudernd die Abendsonne bis wir uns wieder verabschiedeten.

Herbst in Rülzheim

Ein Kurzbesuch in Heidelberg

Zwei Tage später wurde unsere Marie dann 5 Jahre alt. Bei uns ist die Tradition, dass das Geburtstagskind sich seinen Tag frei gestalten darf. So fuhren wir Richtung Heidelberg und führten Marie mittags zum Essen aus, besuchten einen wundervollen Kinderladen in Wiesenbach, fuhren in die Waschanlage und saugten das Auto aus und gingen zum Abschluss in Heidelberg ein Eis essen.

Unsere Herausforderung: Wäsche waschen

Zwischendurch brachten wir noch unsere dreckige Wäsche zu Sonias Mutter, die sich netterweise angeboten hatte, sie zu waschen. Was für ein Geschenk! Denn Wäsche waschen im Wohnwagen geht nur mit der Hand. Einen Waschsalon gibt es nur in größeren Städten. Hier haben wir noch keine gute Lösung für uns gefunden.

Was unseren Abstecher nach Heidelberg angeht: etwas seltsam war es schon, zurück in der Heimat zu sein und nicht mehr dort zu wohnen. An Plätzen vorbei zu fahren, die vor kurzem noch Mittelpunkt unseres Alltages waren. Menschen zu sehen, die lachend ihre Einkäufe betätigen und dann zurück in ihre Wohnung oder ihrem Haus gehen. Wie anders unser Leben jetzt ist. Unser Zuhause ist überall (und damit nirgends). Die „Emma“ haben wir bereits als unser Zuhause angenommen, doch fühlt es sich noch so „neu“ an, so ungewohnt.

Ein Tag mit Simon

Am nächsten Tag kam dann Simon, der Fotograf zu uns zu Besuch, mit dem Ziel ein paar Eindrücke unseres neuen Alltages festzuhalten. An dem Tag kamen tolle Bilder zustanden. Vielen Dank nochmal dafür, Simon! Gleich nach der Fotosession ging es dann für uns weiter. Zielort Hannes’ Biohof.

 

Hannes’ Biohof in Oberderdingen

Nach einer etwas schwierigeren Autofahrt, mit 30 Minuten Stau auf einer Landstraße, kamen wir oben bei Hannes und Sarah an. Ein Freund des Hauses und netter Vater kam uns mit zwei seiner drei Kinder entgegen und erklärte uns, dass er zur Apfelernte da war. Wir beschlossen unseren Wohnwagen zu parken, unsere Sachen zu richten und uns der Ernte anzuschließen. So lernten wir Hannes und Sarah kennen.

Ein junges Pärchen, das den Hof mit Pferdepension gepachtet hat. Sie begrüßten uns sehr herzlich und zeigten uns, wo wir sammeln konnten. So machten Marie und Merlin ihre ersten Erfahrungen auf Streuobstwiesen und freuten sich über Walnüsse, Äpfel und Birnen.

Für die Kinder ein idealer Ort

Die Tage am Hof dort waren von schönen Begegnungen und Gesprächen, dem ausgelassenen Spiel der Kinder im Freien geprägt. Direkt vor unserer Haustür gab es einen großen Sandhügel, auf dem die Kinder viel Zeit verbrachten. Morgens, wenn Tom arbeitete, gingen Sonia und die Kinder an den Pferdekoppeln entlang zur Obstwiese, breiteten die mitgebrachten Liegematten aus und sammelten Früchte und Nüsse, spielten mit Steinen, kletterten auf Bäume und genossen die Wärme, die Sonne, den Wind und das sanfte Wiehern der Pferde.

Spielplatz bei Sarah und Hannes

Wir durften waschen, Pferde füttern, leckeren Apfel und Birnensaft aus eigener Herstellung schmecken, Heidi kennenlernen, die Sonia einen Teil ihrer Lebensgeschichte erzählte und stark beeindruckte … und vor allem Sein, wie wir wollten. Vielen Dank, Hannes und Sarah für eure Gastfreundschaft!

Besuch bei einem naheliegenden Hofladen

 

Bioland Schafshof Jauernik bei Öhringen

Vier Tage später entschlossen wir uns weiterzufahren, weil wir ein Paket bei Toms Schwester holen wollten. So steuerten wir den Bioland Schafshof von Familie Jauernik an. Von dort schreiben wir nun auch diesen zweiten Reisebegleiterbrief. Wir sind hier umringt von Rehen, von Schafen und von Obstwiesen. Die Besitzer sind wirklich sehr herzlich und nehmen sich immer wieder die Zeit uns Dinge zu zeigen, zu erzählen und zu teilen

Generell sind die letzten Tage viel von der Fülle der Natur geprägt, die gerade herrscht. Viel mehr als in der Stadt kriegen wir nun mit, was der Herbst an Farben, an Düften und an Früchten zu bieten hat. Nüsse liegen zu hunderten am Boden, gleich daneben Birnen und verschiedene Sorten von Äpfel. Und diese Früchte quasi direkt vom Baum zu essen, anstatt vom Supermarkt, hat natürlich einen besonderen Charme!

Schafwolle waschen, kandieren, filzen, spinnen

Wir lernen hier Schafwolle aufzubereiten, Unterschiede in den Wollarten, das Kämmen (kandieren), das Spinnen, Wollknäuel rollen und das Filzen mit Wasser und Seife. Marie und Merlin haben bereits kleine Kissen und Decken für ihre Puppen gemacht.

Den ersten Kontakt mit Lämmern hatten die Kinder bereits am Sonntag. Dort hat Marie den Lämmern die Flasche gegeben und die Kraft der Lämmer erfahren, wenn sie hungrig sind. Danach gab es ein schönes Lagerfeuer mit gegrilltem Schafskäse vom Hof. Als Nachtisch leckeren Schafsjoghurt.

Wir geniessen die Freiheit, mit dem Bollerwagen auf die Hügel zu fahren, die Gegend zu entdecken. Einfach wunderbar. Und so verlängern wir unseren Aufenthalt Tag für Tag, weil wir uns richtig wohl fühlen und gleichzeitig noch einiges Lernen können!

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Mit Frau Jauernik bei der Arbeit

 

Gedanken, Gefühle und Entscheidungen – ein Fazit

Unsere Entscheidung, wo wir den Winter verbringen steht noch aus. Auf der einen Seite warten wir noch auf eine Antwort des Wohnwagen-Händlers zu einigen Mängeln (und deren Beseitigung) und auf wichtige Post. Auf der anderen Seite sind wir selber noch unentschlossen, ob wir die lange Reise in den Süden wagen, wenn wir Anfang Februar unbedingt wieder in Brüssel zu der Hochzeit von Sonias Bruder Christoph und seiner Verlobten Caroline sein wollen.

Derzeit tendieren wir dazu, den Winter hierzulande zu erleben. Vielleicht an die Ost- oder Nordsee zu fahren. Oder aber in den Schnee. Wir sind fest auf der Suche nach alltagstauglichen Plätzen im Winter für uns. Sprich, wo wir dennoch unsere Tage außerhalb des Wohnwagens verbringen können. Mal schauen. Wir haben die Qual der Wahl …

Falls ihr Ideen und Vorschläge für unseren Winteraufenthalt habt, so freuen wir uns über jede Nachricht.

 

Unsere Fragen

Für uns bedeutet die Reise sich neuen Fragen zu stellen, Antworten zu suchen. Fragen, die bisher unbekannt waren und jetzt so glasklar vor uns liegen („Wo bekommen wir Wasser? Wie offen sind die Menschen hier? Wie gehen die Menschen mit unserer Andersartigkeit um?) Das Spannende sind gerade nicht die Antworten, sondern die Vielfalt der Fragen.

Es ist die Zeit der Metamorphose. Wir wandeln uns, wir nehmen die Welt anders wahr. Es geht langsam, doch beständig. Es geschieht leise, doch eindrucksvoll. Es ist erstaunlich, weil so neu. Wir können es kaum in Worte kleiden, doch der Wandel nimmt anheim, nimmt ein, wirkt. Wir lassen es geschehen, üben uns in Offenheit und Reflexion. Schwierig, da wir die Welt als sehr laut wahrnehmen und unsere alten Muster dem im Wege stehen.

Von Karl Jaspers ist der Satz: „Wahr ist, was uns verbindet!“

Was für ein unglaublicher Satz! Wir erschaffen unsere Wahrheit mit anderen und leben darin. Dann kommen die Störer, die die Wahrheiten nicht teilen. Wie geht das Wir mit solchen Störern um? Wie gehe ich mit dem Anderen um? Menschen schaffen gemeinsame Wahrheiten und halten sich daran fest. Wie offen sind wir selbst für andere Lebensformen, grenzen wir (wenn nur gedanklich) ein oder grenzen wir aus?

Unsere Reise ist in diesem Sinne ein Loslassen von Wahrheiten, eine Offenheit für alles, eine Suche nach der inneren, eigenen Wahrheit, nach einem Kern. Durch unsere Lebensweise stellen wir für manche Menschen eine Bereicherung dar, für andere sind wir Störer.

Viele liebe Grüße!
Sonia + Thomas

Stellplätze dieser Etappe

Straussenfarm Mhou

http://www.mhoufarm.de/
Am See 76761, Rülzheim, Deutschland

Schafhof Jauernik

http://www.schafhof-jauernik.de
Am Steg 1, Weißlensburg 74626 Bretzfeld, Deutschland

Geyersberghof

http://www.geyersbergerhof.de/
Geyersbergerhof 10, 67691 Hochspeyer, Deutschland

Hannes‘ bioHof

http://hannes-biohof.de
Im Krautbühl 18, Oberderdingen, Deutschland

Karte der besuchten Orte und Menschen

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