Ein Start mit einem Unfall und Krankheiten

Sonia, die Kinder und ich stehen gerade in Illingen-Hirzweiler. Auf dem Parkplatz einer Dorf- und Schaukäserei. Daneben ein herrlicher Kinderspielplatz. Die Sonne scheint. Wir sind vor kurzem an unserem heutigem Stellplatz angekommen. Ankommen ist etwas schönes!

Vor über zwei Wochen haben wir den Wohnwagen übernommen. Kurz vor München gab es eine Einführung in die vielen Funktionen und Möglichkeiten. Es war viel zu viel auf einmal. Im Hintergrund die Kinder, die nicht wirklich für eine 2-stündige Einführung bereit waren. Irgendwann am Abend saßen wir dann im Auto, der 9,40 Meter lange und 2,50 Meter breite Wohnwagen hinter unserem T6. Gesamtlänge also knapp 15 Meter.

Der erste Stellplatz

Glücklich erreichten wir den ersten Stellplatz bei Thomas Schwester Conni in Öhringen. Ein großer Hof, genug Platz für unseren Wohnwagen. Gegen 23 Uhr fielen wir ins Bett, die erste Nacht im Wohnwagen.

Die nächsten Tage bereiteten wir uns und den Wohnwagen auf die Reise vor. Wie kommt der Strom zu uns? Wie transportieren wir das Wasser in den Wohnwagen? Können wir unsere Wasserfilter einbauen? Brauchen wir noch Anti-Rutsch-Matten? Wie bedienen wir diesen Wohnwagen – die gestapelten Bedienungsanleitungen sind 23 cm hoch!

 

 

Lesestoff für die Bedienung des Wohnwagens ….

In all dem Trubel genossen wir sehr, dass Conni uns rundum versorgte und wir so den Kopf für die Reise frei hatten (und die Kinder). Gleichzeitig räumten wir unsere Sachen von Heidelberg in den Wohnwagen und räumten die Wohnung aus. Zwischenzeitlich war die halbe Familie einer Erkältung zum Opfer gefallen. Was die Nächte noch unruhiger machte.

Es fehlt noch so viel

Anstrengende Tage, viele Fahrten, und wir merkten wieder mal, dass wir noch so viele Dinge besitzen (oder so viele Dinge besitzen uns :-)). Doch letzten Donnerstag war es vollbracht. Die Wohnung in Heidelberg leer, der Wohnwagen mit allen Dingen gefüllt (viel zu voll) und wir waren bereit Öhringen zu verlassen, um unsere Reise fortzusetzen.

Der Unfall

Am Freitag fuhren wir zum ersten Mal mit Wohnwagen nach Heidelberg. In Wiesenbach passierte dann ein Unfall. In einer Kurve unterschätzte Thomas die Länge des Wohnwagens (wir nennen ihn Emma) und blieb ganz hinten bei einem anderen Auto hängen. Zum Glück war es „nur“ ein Blechschaden. Oh, welch ein Start in unsere Reise.

 

 

Deutliche Spuren – sooooo ärgerlich!

Auf einem Parkplatz bei Heidelberg parkten wir dann den Wohnwagen und Thomas ging zur Wohnungsübergabe nach Heidelberg. Sonias Mutter und einige Freunde besuchten uns kurzfristig und nahmen Emma (den Wohnwagen) in Augenschein.

Kabe-Freunde-Treffen

Kurz nach 13 Uhr fuhren wir dann zum Treffen der Kabe-Freunde. Kabe, dass ist die Marke unseres Wohnwagens. Und da wir keine Ahnung vom Kabe haben, dachten wir, es ist eine gute Idee Menschen zu treffen, die etwas davon verstehen.

Etwas ungläubig fuhren wir zum Campingplatz in Bernkastel-Kues. Die Zufahrtsstraße war genau 2,50 Meter breit und 15 cm daneben war jeweils ein Geländer auf beiden Seiten. Wir setzten zurück und fragten Radfahrer, wo der Weg zum Campingplatz wäre. Und sie zeigten auf den 2,50 Meter schmalen Weg.

Unser Wohnwagen ist 2,50 Meter breit – die Straße ist 2,50 Meter breit und ca. 200 Meter lang. Also, es half nichts, wir fuhren über eine Kurve in die Straße und hofften, dass jetzt nichts entgegenkommt. Wir hatten Glück und kamen gut an der Schranke an.

Im Campingplatz begrüßte uns Carsten von den Kabe-Freunden und führte uns kurz ein. Zuerst standen wir bei den Bäumen, bevor Thomas einen schöneren Platz entdeckte. Dank dem Mover (unser Wohnwagen lässt sich fernsteuern) war der kleine Umzug kein Problem.

Wunderbare Tage

Die folgenden Tage lernten wir tolle Menschen kennen, führten Gespräche über Kabe, Schule, Kinder und und und. Nebenbei erfuhr Thomas sehr viel technisches über den Kabe. Erste Probleme wurden vereint gelöst. Für uns war es eine tolle Gemeinschaft, die nacheinander schaute, Hilfe anbot, miteinander redete, das Essen teilte … Und Thomas lernte einen spannenden Spruch über Kabe: „Ein Kabe bleibt immer eine Geheimnis!“

Heute war das Ende des Treffens und mit schwerem Herzen verließen wir den Campingplatz. Und jetzt, jetzt stehen wir hier, in der Dorf- und Schaukäserei. Am Feiertag liegt hier eine Ruhe über dem Ort. Wir sind alleine.

 

 

Auf dem Betriebshof der Dorf- und Schaukäserei

Wie geht es uns?

Oh, es sind sehr aufregende Tage gewesen. Deutlich merken wir, wie die alten Muster nicht mehr wirken. Wir merken, wie wir neue Lösungen für diese Situation brauchen. Ein Beispiel von vielen: unser Alltag spielt sich nun deutlich mehr im Freien ab. Die Gewohnheit lässt uns aber an trüben Tagen eher noch in der warmen Stube sitzen (da haben wir schon einen sehr anstrengenden Tag hinter uns, an dem gefühlt zu viel geschrien wurde, weil alle gestresst waren). 18 qm sind allerdings deutlich zu klein dafür. Also heißt es neu denken und unsere Draußenbekleidung auf den neuesten Stand bringen (wärmer und Matschresistenter – Wir eingeschlossen).

Dann das Waschproblem: einen Alltag ohne Waschmaschine und das mit drei kleinen Kindern. Gallseife und Fleckenreiniger samt Waschschüssel müssen her. Sonia überlegt, ob sie einfach provisorisch jeden Abend sämtliche Flecken reinigt und erst bei Waschmöglichkeiten die Kleider richtig wäscht. Eine Überlegung – mal schauen.

Der Rhythmus ist auch ein ganz anderer. Weit mehr Zeit geht mit Spülen, Waschen, Duschen (auf dem Campingplatz) drauf. Da wir für alles erstmal Schuhe und Pullis anziehen müssen, nimmt es weit mehr Raum ein. Wie oft sind wir schon den Gang zur Spülschüssel am Tag gelaufen? Gefühlt: unzählige Male …

Die Tage waren von emotionalen Hochs und Tiefs gekennzeichnet. Von großer Frustration über die technischen Probleme im Wohnwagen bis zu tiefer Freude über das Glitzern der Sonnenstrahlen im Wasser, einer Radtour an der Mosel, das Lachen der Kinder.

Der Umgang mit Zeit verändert sich im Wohnwagen. Manche Dinge laufen langsamer, weil Wege weiter sind (z. B. Wäsche waschen). Andere Dinge brauchen weniger Zeit, weil z. B. die zu reinigende Fläche kleiner ist. Doch insgesamt merken wir, wie die in unserer Gesellschaft vorgegebene Zeitstrukturvorgabe an Bedeutung verliert. So ganz, ganz langsam lösen wir uns davon und finden unsere eigene Struktur. Wir passen uns mehr der Situation an. Wann wir essen bestimmt jetzt weniger die offizielle Uhrzeit, sondern vielmehr unsere innere Uhr.

Wir sind glücklich, dass wir jeden Morgen eine warme Reiscreme kochen und ein Oshawa-Brot backen können. Sonia kocht so lecker wie daheim, einfach herrlich. Gestern hatten wir sogar die ersten Gäste bei uns. Es gab eine Kürbissuppe mit einer Tamari-Ingwer-Soße oder Kokosmilch!

Wir sind voller Fragen, Zweifel, Unsicherheiten.
• Wo verbringen wir jetzt den Winter?
• Fahren wir nach Spanien, Portugal?
• Oder bleiben wir doch in Deutschland?
• Wie können wir den Kindern auf der Reise gerecht werden?
• Wie finden wir als Familien wieder unseren Rhythmus?
• Wo werden wir in der nächsten Nacht stehen?
• Wie kommen wir an Strom, wie an Wasser?
• Gibt es dort Empfang für das Mobiltelefon und für Internet?
• Wie bekommt jeder seinen Rückzugsraum?
• Wie planen wir unsere Zeit?
• Wo können wir vor Ort biologisch einkaufen?

Und doch, gleichzeitig empfinden wir eine tiefe Befriedigung, dass wir die Freiheit haben, unsere Reise wirklich zu leben und nicht nur darüber zu reden. Eine Dankbarkeit, dass alles gerade so paßt, dass dieser Traum Wirklichkeit werden konnte. Wir vermissen unsere Freunde in Heidelberg, Sonia ihre Mutter aus Heidelberg.

Was wird unsere Zukunft wohl noch bringen? Falls Du Orte oder Menschen kennst, die wir unbedingt treffen sollten – so schreibe uns doch einfach an dialog@unsere-heldenreise.eu. Wir freuen uns über jede Nachricht.

Viele liebe Grüße

Sonia & Thomas

Stellplätze dieser Etappe

Dorf- und Schaukäserei Hirztaler

http://www.hirztaler.de/
Dorfwaldstraße 7A, Illingen, Deutschland

Karte der besuchten Orte und Menschen

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