Fast drei Monate verbrachten wir mit Sonias Opa und mit Patric (Sonias großer Bruder), Annett (seine tolle Frau) und deren Kinder. Und es war eine intensive und schöne Zeit. Voller Höhen und Tiefen, voller Leid und Glück.

Eine Hochzeit in Brüssel

Am 9. Februar heiratete Sonias kleiner Bruder Christoph seine belgische Verlobte Caroline. Früh morgens kurz vor 5 Uhr fuhren wir mit der Familie von Patric aus Schweinheim los und kamen gegen 9 Uhr in Brüssel an. Vom Lande in die Großstadt …

Als erstes gingen wir ins Rathaus und putzten uns die schlammigen Schuhe (Sonia hatte das am Vortag völlig vergessen, da schlammige Schuhe nun einfach zum Alltag gehören). Danach gingen wir in die Stadt und kauften Blümchen für die Kinder. Sie sollten sie wiederum dem Brautpaar geben. Dabei stellten wir fest, dass Marie und Merlin so ein Stadtleben gar nicht mehr gewohnt waren. Ohne nach rechts und links zu schauen wollten sie eine Straße überqueren …

Um 11.30 Uhr waren wir im Rathaus und hörten die belgische Hymne, während wir auf den Bürgermeister warteten. Kurze Zeit später wurden Christoph und Caroline Mann und Frau. Nun ist auch der Dritte und Letzte von Sonias Familie unter der Haube! Einziger Wermutstropfen war das Fehlen von Christophs, Patrics und Sonias Vater Josef Staudt! Wie schade, dass er die Hochzeit seines jüngsten Sohnes nicht mehr erleben konnte! Im Geiste war er aber sehr präsent. Christoph trug ihm zu Ehren seinen Anzug, seine Uhr und seinen Mantel!

Nachdem wir mittags lecker Essen waren und Nachmittags noch Geschirr bemalen waren (was besonders Marie, Merlin und Sonia sehr gut gefiel!), fuhren wir gegen 19 Uhr wieder aus Brüssel los. Um 0.30 Uhr lagen wir erschöpft in unseren Betten … So ging unser erster Besuch in Belgien zu Ende… sowie der erste Tag der Frischvermählten als Mann und Frau! Mögen die beiden ein glückliches Leben miteinander führen!

Merlins Geburtstag

Wenige Tage darauf, am 11. Februar, hatten wir abermals einen schönen Grund zu feiern: unser Merlin wurde drei Jahre! Morgens schauten wir uns die Fotos des Tages seiner Geburt an. Er war früh morgens in Sonias Elternhaus in Heidelberg zur Welt gekommen … Drei Jahre ist es nun her!

Nach alter Familientradition, bestimmt  das Geburtstagskind, was wir an diesem Tag machen. Der Tag begann mit einem leckeren Kuchen, den sein Papa am Vortag gebacken hatte. Danach fuhren wir einkaufen und brunchten im Wohnwagen. Daraufhin fuhren wir los und kauften Merlin im Namen seines Urgroßvaters und seiner Mamie (Sonias Mutter) ein tolles Fahrrad mit Stützrädern. Dieses fuhr er erst im Laden ausgiebig und schließlich auf der Straße vor unserem Wohnwagen zur Probe. Davon abgesehen, dass er seine ganz eigene Trettechnik besitzt und die Funktion der Bremsen noch nicht entdeckt hat, fuhr er wie ein Weltmeister!

Später wünschte sich Merlin Pippi Langstrumpf anzuschauen und abends aßen wir noch Pizza! Was für ein herrlicher Tag!

Merlins erstes Fahrrad

Heiße Diskussionen

Kurze Zeit später beschlossen wir unsere Fahrräder bei Conni und Roland, Thomas Schwester und Schwager, zu holen. Wir hatten sie netterweise für die kalten Wintermonate bei ihnen unterstellen dürfen. Da die Temperaturen nun aber immer öfter den nahenden Frühling erahnen lassen, bekamen wir richtig Lust wieder durch die Gegend zu radeln.

So verbrachten wir bei der Gelegenheit einen sehr netten Samstag in Öhringen mit leckerem – im Holzofen gebackenen Brot, interessanten Gesprächen über zum Teil unterschiedliche Ansichten der Kinderbegleitung!

Ein super leckeres Brot!

Zweifel und Bedauern

Wenige Tage später besuchten wir dann Heidi und Christian, zwei sehr enge Freunde von uns in Wiesenbach, die wir seit September letzten Jahres nicht mehr gesehen hatten. Wir verbrachten einen wundervollen Nachmittag mit ihnen, bei strahlendem Sonnenschein. Vor unserer Reiseplanung wollten wir ursprünglich mit ihnen zusammenziehen, so sehr liegen die beiden uns am Herzen. Dann kam aber die Möglichkeit, Sonias Traum zu verwirklichen.

Lange überlegten wir damals hin und her: die Gelegenheit am Schopfe packen und einen vergangenen Traum leben bevor die Schulpflicht kommt und alles komplizierter wird… oder mit dieser wunderbaren Familien eine Zukunft aufbauen. Letztendlich entschieden wir uns für die Reise, da ich (Sonia) befürchtete, meinem Traum sonst irgendwann mal nachzuweinen. Allerdings fiel es mir sehr schwer. Denn es ist wirklich selten, auf eine Familie zustoßen, mit denen alle sich derart gut verstehen! So war es dann auch etwas seltsam, die beiden nach so langer Zeit wiederzusehen. Seltsam, weil auch das Gefühl hoch kam, eine tolle Gelegenheit verpasst zu haben.

Wir glauben, dass es Zeitfenster für Dinge im Leben gibt, in denen etwas möglich ist. So lag für mich (Sonia) von daher auch eine Art Traurigkeit und Schwere in der Luft. Durch die Zeit hier mit Patric und Annett, haben wir gemerkt, dass diese Art von Gemeinschaft uns sehr viel Freude macht: jeder wohnt in seinem Haus und dennoch sehen wir uns jeden Tag, unternehmen Dinge zusammen und unsere KInder können einfach rüber laufen … Nun, das hätten wir mit Heidi und Christian gehabt.

Hatte es sich da gelohnt zu verreisen und dieses Zeitfenster verstreichen zu lassen? Wird es jemals wieder eine solche Gelegenheit geben? Türen schließen sich, andere öffnen sich? Welche Entscheidungen sind die Richtigen?

Wir regeln selbst Spielplätze

Kindergartenfreie Familie

Später hatten wir die Gelegenheit eine sympathische Familie aus der Gegend kennenzulernen, die zwei kleine Kinder haben und sich momentan ebenfalls für ein kindergartenfreies Leben entschieden haben. Deborah, Simon, Ian und Lia sind uns in der kurzen Zeit richtig ans Herz gewachsen. Mit ihnen entdeckten wir den Park Schönbusch in Aschaffenburg, einfach wunderschön!

Vor kurzem kauften sie ihr Wohnmobil und stehen nun in den Startlöchern … Es tut richtig gut, Gleichgesinnte zu treffen, mit denen wir uns über unseren Alltag austauschen können!

Merlin in seinem Element

Unerwartete Begegnung

Thomas hat sich intensiver mit Jiddu Krishnamurti beschäftigt und war ganz glücklich, im Internet eine tolle Quelle zu ihm entdeckt zu haben. Ernst Adams hat auf der Seite http://stillekreis.de/ Artikel und Informationen zu Jiddu Krishnamurti veröffentlicht. Über diese Lektüre entstand ein Austausch mit Ernst Adams (der zugleich Sonias ehemaliger Yoga-Lehrer war).

Spontan lud Ernst Adams uns zu sich in den Odenwald ein, und wir verbrachten dort einen herrlichen Nachmittag mit ihm, seiner Frau und der Enkelin. Solche Begegnungen machen unsere Reise bunt. Für Thomas ist die Vertiefung mit Jiddu Krishnamurti und den Erläuterungen von Ernst Adams eine unbezahlbare Bereicherung. Sie haben unter anderen zu seinem neuen Eintrag bei Heldenlos geführt.

Wiedersehen mit Freunden

Zu unserer großen Freude, besuchten uns vier liebe Menschen aus der Umgebung Heidelberg-Mannheim. Jaqueline, Richard, Emma und Lina kamen vergangenen Freitag zu Besuch. Eine weitere Familie, die sich viele Gedanken macht, wie der zukünftige Bildungsweg ihrer Kinder in unserer heutigen Gesellschaft ausschauen könnte. Es war einer dieser herrlich warmen Frühlingstage, an denen wir unsere große Picknickdecke vor Emma ausbreiten und einfach entspannt draußen genießen konnten.

Es war so schön euch vier hier zu treffen! Vielen Dank, dass ihr euch die Zeit genommen habt, hoch zu fahren! Wir sind gespannt, wie euer weiterer Lebensweg verlaufen wird.

Marie klettert gerne
Unsere Momo

Abschied aus Aschaffenburg

Unser Aufenthalt hier in Schweinheim geht nun seinem Ende zu. Morgen fahren wir weiter, in den Süden nach Wutöschingen (um die Alemannenschule zu besuchen, mehr dazu im nächsten Reisebegleiter-Brief).

Rund drei Monate waren wir nun hier. Durch diese verhältnismäßig lange Zeit an einem Ort, hatten wir die Möglichkeit tiefer in die Gegend einzutauchen und auch Menschen (Daniel und Tina, die uns Wasser und Strom gaben; Blanka, die von einer Karriere bei einer Bank zur Lehrerin wird; und viele Gespräch mit Menschen auf der Straße …) näher kennenzulernen. Es war eine intensive Zeit. Vor allem im Innern. Wir haben gemeinsam einen absoluten Tiefpunkt in unserer Beziehung beschritten und sind für den Moment gestärkt wieder heraus gekommen. Wofür wir sehr dankbar sind. Nun kommt der Frühling und auch wir öffnen uns wieder für Neues …

Wir lebten direkt im Grünen

Thomas Zwischenfazit

Diese Reise ist so vieles auf einmal. Es ist eine Reise raus aus der eigenen Komfortzone (oder Komm-Vor-Zone). Sie geht über die eigenen Grenzen und tut manchmal richtig weh. Weil sie alte Muster in Frage stellt, aufbricht und überflüssig macht. Muster, die ich gar nicht kannte.

Gleichzeitig ist diese Reise Luxus. Luxus, weil wir die Chance haben anderen Menschen zu begegnen, Gespräche zu führen und andere Gegenden kennenlernen dürfen. Wir können uns treiben lassen. Und je mehr Gespräche ich führe, desto größer empfinde ich diesen Luxus. Sich mal treiben lassen. Nicht gehetzt sein, nicht keine Zeit haben. Nein, einfach da sein. Auf der Decke liegen.

Auch beruflich geniesse ich es zu mäandern. Ich lese, was meinen Weg kreuzt. Ich bewerte nicht zuerst den wirtschaftlichen Wert davon. Wirtschaftlichkeit (als Ersatz für Geld) hat seine zentrale Rolle verloren. Sie ist noch immer präsent und es ist unglaublich schwer, diese oberste Maxime aus dem Alltag zu entfernen, aber sie schwindet.

Generell erlebte und durchlebte ich wieder viele intensive Prozess mit Sonia und viele innere Prozesse. Schmerz, Wut, Trauer und wertvolle Erkenntnisse, waren meine Begleiter. Mehr über meine Gedanken dazu im nächsten Heldenlos-Beitrag.

Sonias Zwischenfazit

In den vergangenen drei Monaten haben mich insbesondere vier Dinge beschäftigt:

Zum einen kamen überraschenderweise weitere Wunden meines erlebten sexuellen Missbrauchs hervor. Vermutlich auch hervorgerufen durch den Michael-Jackson-Skandal. In diesem Zusammenhang ein Interview, das ich mit zwei seiner vermeintlichen Opfer auf YouTube gesehen habe.

Ich habe schon einiges an diesem Thema gearbeitet, so dass ich doch von der Heftigkeit meiner Gefühle überrascht war! Vor allem wurde mir aber klar, wie viel Wut, Traurigkeit und Scham noch in mir ist. Und zwar vor allem Wut mir gegenüber: Warum habe ich es soweit kommen lassen? Warum habe ich nicht vorher um Hilfe gerufen? Warum habe ich mich damals scheinbar im Stich gelassen? Mir selbst zu vergeben ist also allem Anschein nach noch ein großes Thema!

Und dann auch die Scham, damals als kleines Mädchen so etwas erlebt zu haben. Fast als ob ich Mittäter sei … Aber auch diese Gefühle beginne ich nun mehr zu verstehen. Schließlich auch eine große Traurigkeit, das alles erlebt zu haben! Und das Bedauern, wie anders mein Leben ohne diese Erlebnisse hätte verlaufen können.

Auf der anderen Seite natürlich auch das Erkennen, dass ich nur an dem Punkt meines jetzigen Lebens stehe, weil meine Vergangenheit nun mal so war wie sie war!
Zuletzt auch die Angst, dass meine Kinder so etwas erleben könnten … Furchtbar!
Und das Erschüttern wie viele Menschen, vor allem Kinder, in so etwas verwickelt sind. Dieser Gedanke trifft mich sehr!

Ein weiteres Thema in dieser Zeit war auch das erneute Erkennen, wie viel Glück ich mit Tom habe. Dass ich einen Partner an meiner Seite habe, der mich grundsätzlich stärkt, mich erhebt und mir ermöglicht meine Träume zu erfüllen. Was ich mit ihm erlebe ist sehr heilsam und lehrreich für mich. Ich bin sehr dankbar, dass wir uns gefunden haben! Was nicht heißt, dass der Alltag immer einfach ist. Aber diese Dankbarkeit und dieses Geschenk ist viel präsenter geworden!

Ein weiterer roter Faden und gleichzeitig ein Dauerbrenner in dieser Zeit war und ist die immer wieder hochkommende Suche nach der für uns stimmigen Begleitung unserer Kinder. Die Optimierung meines Verhaltens in Stressmomenten beschäftigt mich sehr!

Neben diesen vier Themen bin ich mit neuen Begegnungen in Schweinheim reich beschenkt worden: Petra und Holger mit ihren drei Töchtern, die in der Nähe meines Opas wohnen … außerdem Daniela, Geigerin und Barfußgängerin… Isabel mit ihrem kleinen Johann, die wir mehrmals besuchen durften … und einige Begegnungen während eines Spaziergangs. Viele Menschen hier scheinen sehr herzlich und offen zu sein, so dass es eine wahre Freude ist einfach rausgehen und fast immer jemanden treffen zu können, mit dem man ein paar Worte austauschen kann! Ein großes Plus für Schweinheim!

Schließlich bin ich meiner Schwägerin Annett in den vergangenen Wochen näher gekommen. Es war eines der ganz großen Schätze für mich, die Zeit immer wieder mit ihr verbringen zu können! Unsere Gespräche und Begegnungen geben mir viel Kraft, Humor und Liebe! Von Herzen danke Annett, für diese Momente und dafür, dass du ein so wunderbarer Mensch bist!

Stellplätze dieser Etappe

Es gibt keine besuchten Orte und Menschen für diesen Reisebegleiter-Brief!

Karte der besuchten Orte und Menschen

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