Ab November werden Marie, Merlin und Momo ein weiteres Geschwisterchen in Armen halten können. Sonia ist schwanger, wir sehr glücklich darüber – auch wenn es unsere Reiseplanung für diesen Winter etwas verändert … Dieses Mal haben wir uns eine staatliche Schule angeschaut, waren zu Gast bei Emmendingen und genossen den Schwarzwald.

Auf nach Wutöschingen

Von einer guten Freundin erhielten wir den Hinweis auf eine besondere Schule in Wutöschingen. Die Alemannenschule. Eine staatliche Schule, die individuelles Lernen ermöglicht, den Schüler in das Zentrum stellt und neue Konzepte im Umgang mit der Zeit und mit dem Raum lebt. Die ersten Videos auf YouTube waren super spannend. Sie machten uns neugierig und so entschieden wir uns, nach Wutöschingen zu fahren.

Unser letzter Tag in Schweinheim

Ein herrlicher Stellplatz

Wir hatten das große Glück, dort einen Bauernhof zu finden, auf dem wir stehen konnten. Neben einer wunderbaren Aussicht auf Wutöschingen und die Berge und Täler, wurden wir sehr herzlich von Christina, Florian, Pia, Noah und Paul begrüßt.

Christina und Florian haben den Hof übernommen und stellen gerade auf Demeter-Betrieb um. Aktuell gibt es dort Ziegen, Hühner, Kühe, Esel … Uns hat die Herzlichkeit vor Ort sehr beeindruckt. Christina und Florian waren stets fröhlich gestimmt, voller Freude und Energie, hatten immer Zeit für einen Plausch und ließen uns am Hofleben teilhaben. Wir lernten ebenso den Vater von Florian und den Vater von Christina kennen. Besonders schön waren die Gespräche mit der 93-jährigen Oma von Christina.

Pia, die älteste Tocher mit 5-Jahren half gleich bei der Einweisung des Wohnwagens mit und zeigte uns den Stellplatz. Wir kamen gerade an, als eine Reportage über den Hof im Fernsehen lief. Noah und Paul kamen später dazu.

In den Tagen auf dem Hof lernten wir Lea kennen. Eine Studentin der Tiermedizin, die gerade ihr Praktikum auf dem Hof machte. Sie beeindruckte uns durch ihre klare und freundliche Art. Doch dazu später mehr.

Der Blick aus unserem Wohnwagen

Die Alemannenschule

Besuchstermine in Schulen zu bekommen ist schwierig. Meist gibt es ein bis zwei offizielle Besuchstermine im Jahr, sonst ist Besuch eher unerwünscht. Anders in der Alemannenschule. Dort bekamen wir gleich für Montag einen Besuchstermin mit Führung. Und wir waren nicht die einzigen, die diese Schule anschauten. Viele Lehrer von anderen Schulen wollten mehr über das Konzept wissen.

Unsere Erwartungen waren sehr hoch. Durch die Videos und unsere eigenen Vorstellungen von idealen Schule musste dies ein wunderbarer Ort für Kinder sein. Meist werden wir mit solchen Erwartungen enttäuscht, weil die Realität diesen Gedankenbildern nicht standhält. Anders an der Alemannenschule. Obwohl wir hohe Erwartungen hatten, wurden diese nicht enttäuscht, sondern bestätigt und vertieft.

Mit Stefan Ruppaner lernten wir einen sehr sympathischen Schulleiter kennen, der für seine Vorstellung von Schule für Kinder steht und dies mit Leib und Seele lebt. Und er hat es geschafft mit dem Kollegium (z. B. Verena Schabinger, die uns die Schule vorstellte und die Führung machte, oder Valentin Helling, der uns vor und nach dem Besuch unterstützte …) zu arbeiten, die diese Form von Schule verstehen, unterstützen und weiterentwickeln.

Der Schulleiter nahm sich im Anschluss an die Führung noch 90 Minuten Zeit, um alle Fragen zu beantworten. Man merkt ihm an, es ist eine Herzensangelegenheit!

Es ist schwer, das Konzept der Schule in wenigen Worten zu beschreiben. Deshalb hier nur die Höhepunkte:

  • das Konzept funktioniert, weil es komplett umgesetzt wurde, keine Flickschusterei
    vom Bürgermeister bis zum Schulleiter stehen alle hinter der Schule
  • lernen ist dort ein Bedürfnis der Schüler, keine Übermittlungspflicht der Lehrer
  • Kinder kommen selbst in den Ferien, um in der Schule zu lernen
  • es gibt unterschiedliche Lernorte in der Schule und im Lernort Wutöschingen
  • es gibt kein Lehrerzimmer und keine Klassenzimmer in der Schule
  • es werden keine Fächer unterrichtet, sondern Kinder lernen sebstbestimmt
  • es ist eine staatliche Schule!
  • ab Herbst 2019 gibt es eine gymnasiale Oberstufe
  • die Schule wird als verletzlicher Ort geplant, d. h. feine, zerbrechliche Stoffe (Teil des Konzeptes)
  • keine Noten bis zur Abschlussklasse

Wer mehr Infos zum System Alemannenschule möchte (mit Beiträgen vom Bürgermeister, Hartmut Rosa und den Lehrern), findet diese unter diesem Link.

Am Eingang der Alemannenschule

Der Bürgermeister von Wutöschingen

Kurzfristig hatte sogar der Bürgermeister, Georg Eble, für uns Zeit. Er berichtet von seiner anfänglichen Skepsis der Idee einer neuen Schule. Vor allem über die Annahme, dass Kinder von sich aus mit Freude lernen sollen. Doch ein gemeinsamer Besuch bei der Freien Schule Anne-Sophie zeigte ihm, dass dies möglich ist. So begann die Gemeinde Wutöschingen die neue Schule zu planen und umzusetzen.

Bei dem Gespräch merkte Thomas, wie jemand gegenüber sitzt, der für seine Überzeugungen einsteht. Der pragmatisch denkt UND tut. Der Zulauf zur Schule ist groß. Es gibt jetzt bereits 100 Bewerbungen für die 5. Klasse ab Herbst. Auf ca. 50 neue Bauplätze gibt es 250 Bewerbungen.

Vor der gemeinsamen Schulentwicklung war die Schule für die Gemeinde ein Kostenfaktor. Heute ist sie integraler Bestandteil der Gemeindeentwicklung. Die Kinder bringen Leben in die Gebäude (Wutöschingen als Lerndorf) und ziehen neue Familien an. So kommen interessierte Menschen aus Italien, Schweden, USA, um diese Schule anzuschauen. Nur aus der Gegend um Wutöschingen interessiert es kaum jemanden, sondern eher Kritik und Ablehnung. Der Gemeinde und Schule wird jede Entwicklung sehr schwer gemacht. Sie mussten für die gymnasiale Oberstufe Gemeinden miteinbeziehen, die 70-80 KM weit weg sind (und es gibt dort keine Autobahn!).

Bei unserer Reise erleben wir immer wieder, dass Erfolg den Neid fördert. Statt sich gemeinsam noch stärker zu machen, voneinander zu lernen und sich zusammen weiterzuentwickeln, werden dem Innovativen Steine in den Weg geworfen. Dies passierte auch in Wutöschingen. Der Erfolg der Schule ließ die Anmeldungen aus Nachbargemeinden zunehmen. Wogegen diese teilweise mit gerichtlichen Klagen vorgegangen sind. Jedoch und zum Glück, ohne Erfolg.

Statt voneinander zu lernen, zu fragen: Hey, was macht ihr da? Wie können wir von euch lernen? Wie können wir die Region noch attraktiver machen, indem wir mehrere solche Schulen anbieten? Grenzen sich umliegende Gemeinden ab, ziehen die Zubgrücke hoch. Dabei stellt die Alemannenschule ihre Materialien allen kostenfrei zur Verfügung und sowohl der Bürgermeister und der Schulleiter, sowie die Lehrer reden offen über das Konzept. Die Online-Software, ein wesentliches Element des Systems, wird als Open-Source bereitgestellt. Sie wird in Australien und anderen Ländern genutzt, jedoch nicht in den Nachbargemeinden!

Unser nächster Stellplatz in Waldkirch

Durch ein schönes Gespräch mit Lea (der Praktikantin vom Hof) in unserer Emma ergab sich der nächste Stellplatz. Lea meinte, dass wir ihre Eltern kennenlernen sollten und wir gerne bei ihnen auf dem Hof stehen können. Und da uns Lea so beeindruckte, in ihrer Art und Weise, war uns klar, dass wir diese Eltern gerne kennenlernen möchten. Also fuhren wir von Wutöschingen nach Waldkirch bei Freiburg.

Großes Vertrauen

Bei unserer Ankunft bei Waldkirch waren die Eltern von Lea, Jutta und Adrian, nicht zu Hause. Sie deponierten den Schlüssen an einem Ort, so dass wir uns vor Ort erst einmal einrichten konnten. Das Kabel für Strom war bereits gelegt und alles vorbereitet.

Gegen Abend kam dann zuerst Adrian nach Hause. Wir wurden herzlich begrüßt und redeten gleich sehr intensiv. So dass uns gar nicht auffiel wie schnell die Zeit verging. Dann kam Jutta und wir verabredeten uns zum gemeinsamen Abendessen. Ihr Haus haben sie selbst renoviert und es versprüht eine wunderbare Energie, wie Jutta und Adrian. Der Abend verging wie im Flug und war viel zu kurz.

Jutta führte Sonia und Thomas noch in ihre Arbeit als Immuntrainerin ein. Ein wunderbarer Ansatz, der uns bisher gar nicht bekannt war. Wir freuen uns bereits heute auf eine Vertiefung. Adrian beeindruckte Thomas mehrfach mit seinem handwerklichen Geschick.

Gerne hätten wir Anne Mia, die zweite Tochter ebenfalls kennengelernt, doch leider war sie nicht da. Doch es gibt bestimmt ein Wiedersehen.

Direkt neben einem liebevoll gestalteten Garten

Auf 900 Metern Höhe im Schwarzwald

Unser nächster Stellplatz lag weit oben auf einer wundervollen Anhöhe im Südschwarzwald. Wir schlängelten uns den schmalen und sehr steilen Waldweg hinauf und kamen auf ein Plateau an, von dem aus wir einen freien Blick auf die gegenüberliegenden Berge hatten. Darunter auch der verschneite Feldberg.

Dort verbrachten wir dann auch Sonias Geburtstag. Fernab von jeglicher Zivilisation, in strahlendem Sonnenschein und umgeben von frischer Bergesluft, erlebten wir einen ganz entspannten Tag. Dank Tom, der morgens mit den Kindern wegfuhr, hatte Sonia Zeit den ganzen Vormittag auf der Wiese zu liegen und zu lesen. Diese Stille und Verbundenheit mit der Natur, tat uns allen sehr gut. Die nächsten Tage lebten wir dort oben und zwar zum ersten mal autark. Dort gab es weder Strom noch Wasser. Es klappte immerhin ganze vier Tage!

Am Folgetag waren wir dann japanisch Essen, im Basho-An in Freiburg. Da es an Sonias Geburtstag bereits ausgebucht war, freuten wir uns sehr, dass es am Folgetag einen Tisch für uns gab. Es war sehr, sehr lecker. Toriteri, Karaage und Sage haben köstlich geschmeckt!

Während wir die ersten zwei Tage alleine dort waren, kamen in den darauf folgenden weitere Besucher hinzu. Unter anderem auch eine sympathische junge Familie mit ihren beiden Kindern Lasse und Mattis. Unsere Kinder verbrachten die meiste Zeit in der Natur, überwiegend alleine für sich! Es war schön sie so beim freien gemeinsamen Spielen beobachten zu können!

Zwischen drin besuchten wir noch Tittisee-Neustadt. Dort fuhren wir auf einem glatten See Tretboot und bestaunten diese schöne Gegend! Was für beeindruckende Flecken Deutschland doch hat!

Und dann ging es auch schon weiter: nach Heidelberg, zur Hochzeit von Sonias kleinem Bruder Christoph, zweiter Teil (Erster Teil siehe Reisebegleiterbrief Nr. 10). Doch dazu im nächsten Reisebegleiter-Brief mehr …

Toller Blick und tolle Gespräche

Thomas Zwischenfazit

Die Alemannenschule in Wutöschingen war der Hammer. So kann Schule sein – eine staatliche Schule, die „Schule“ machen sollte. Ich bin total begeistert! Einzig das Aluminiumwerk in Wutöschingen trübt den positiven Eindruck. Die Zeit mit Jutta und Adrian war viel zu kurz. Gerne hätte ich beide näher kennengelernt. Das holen wir bestimmt nach. Eine Schnupperstunde bei Jutta war unglaublich, mit dem Kopf gar nicht zu begreifen. Ich merke, wie mit dem Frühling neue Lebensgeister kommen. So komme ich jetzt wieder täglich zum Qigong, was in den Wintermonaten schon mal ausfiel, weil die Nächte zu kurz waren. Besonders schön war Qigong bei Buchenbach, auf 900 m Höhe mit Blick auf den Feldberg. Ein toller Platz! Ich freue mich riesig auf das nächste Kind. Es fühlt sich für mich so an, dass unsere Familie dann komplett ist. Gerade lese ich Karlfried Graf Dürckheim. Seine Worte beeindrucken mit tief und ich verschlingen sie geradezu (wenn ich Abends mal Zeit dazu finde …).

Sonias Zwischenfazit

In den letzten Wochen beschäftigte mich vor allem die Schwangerschaft. Sei es körperlich (es ist erstaunlich, wie der Körper mit jeder fortschreitenden Schwangerschaft schneller in den Schwangerschaftsmodus findet), emotional (ich finde meine normale Schutzschicht ist dünner geworden) oder geistig (unbewusst kreisen die Gedanken immer wieder um die bevorstehende Geburtsplanung, den Ort, wie es danach wohl weiter gehen wird…).

Die ersten zwölf Wochen verbot ich mir, zu intensiv daran zu denken, weil ich bei einer möglichen Fehlgeburt nicht zu sehr leiden wollte (zwischen Marie und Merlin machten wir ja die Erfahrung einer…). Da die Zeit nun aber um ist, lasse ich die Freude mehr und mehr zu. Für mich war auch die Reaktion von Marie und Merlin auf die Neuigkeit sehr bewegend. Marie fing spontan an zu strahlen und freut sich riesig, während Merlin zeitweise davon redete, wie er das Baby dann tragen würde und dass es im Grunde sein Baby sei… 

Unsere Pläne werden einmal mehr durchkreuzt. Es bleibt also spannend, wo und wie wir den kommenden Winter verbringen werden.

Ansonsten hat mich die Sitzung bei Jutta sehr beeindruckt. Dort wurde mir bewusst, wie viel Trauer ich durch den Tod meines Vaters in mir trage. Es ist nach wie vor so, dass ich nur an ihn denken muss, und mir die Tränen kommen. Ich vermisse ihn sehr. Ich merke das am ganzen Körper, an jeder Zelle.

Und es war auch sehr anschaulich zu merken, dass ich mich dringend um mich kümmern sollte. Mir täglich Zeiten freischaufeln sollte, um zu mir zu kommen. Seitdem praktiziere ich wieder regelmäßig Yoga und meditiere. Vor allem versuche ich aber raus in die Natur zu gehen, was mir nicht immer leicht fällt, weil es noch keine Gewohnheit geworden ist.

Ein weiteres Aha-Erlebnis für mich war die Erfahrung auf 900 Meter Höhe. Wenn ich gekonnt hätte, dann wäre ich sofort auf diesen Platz gezogen. Die Abgeschiedenheit und die Schönheit der Natur einerseits und die Nähe zu Freiburg und Umgebung andererseits haben mir sehr befallen. In dieser Gegend kann ich mir vorstellen sesshaft zu werden!

Stellplätze dieser Etappe

Schmiedshäusle



Schweigbrunnenstraße 9, Buchenbach, Deutschland


Lindenhof

https://www.derlindenhof.com
Der Lindenhof, Lindenhof, Wutöschingen, Deutschland

Karte der besuchten Orte und Menschen

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