Dieses Mal nehmen wir Dich mit auf eine Reise ins Nördlinger Ries, zu einer Kräuter-Hexe. Wir überwinden zwei Autobahnvollsperrungen, um über Öhringen und Oberkirch in der Schweiz zu landen. Dort geniessen wir eine unglaubliche Aussicht und fahren gemeinsam zum Christina von Dreien Seminar.

Holunderhof Lohe: Zu Besuch auf einem vielseitigen Hof

Wir fuhren einmal quer durch Bayern, über 4 Stunden, und kamen gegen Einbruch der Dunkelheit am Holunderhof Lohe an. Zu unserer großen Freude standen Siglinde und Werner Beck an der Straße und begrüßten uns. Siglinde zeigte uns unseren Stellplatz und Thomas parkte das erste Mal bei Nacht ein. Werner brachte sofort die Kabeltrommel mit Strom. Thomas kuppelte Emma ab und machte sie zügig wohnklar. Währenddessen blieben Sonia und die Kinder im Auto und versuchten nicht allzu sehr zu frieren. Dabei stellten wir ein weiteres mal fest, wie anders Nächte weit entfernt von Städten sind. Die Sterne leuchteten wunderschön am Nachtblauen Himmel – natürlich weit sichtbarer, als in Heidelberg. Ein sternenklares Himmelszelt!

Der Holunderhof Lohe hatte einen kleinen Hofladen mit selbst geerntetem Dinkel und Emmer, sowie Fleischpakete, Pasteten und Aufstriche aus eigener Herstellung. Außerdem Gemüse, Obst, Einkorn und Kürbiskerne und Öle von Bauern aus der Region. Siglinde Beck bietet Kräuter- und Heilpflanzenwanderungen an, sowie Kurse und Vorträge zu deren Anwendungen. Auch eine Eselwanderung mit drei wundervollen Eseln wäre möglich. In Lohe gibt es weitere Höfe. Gegenüber verkaufte ein Bauer beispielsweise frische Eier aus eigener Aufzucht. Aus unserem Fenster konnten wir die Hühner den ganzen Tag auf der Wiese sehen.

Der Eingang zum wunderbaren Hofladen

Werner und Siglinde boten uns netterweise an, ihre Toilette und Dusche im eigenen Haus zu nutzen. Erneut ein großer Vertrauensbeweis. Für uns als ehemalige Städter immer wieder eindrucksvoll, wie offen die Menschen sind!

Marie, Merlin und Momo auf der Flur

In Lohe gingen wir bei strahlendem Sonnenschein durch die Felder spazieren oder in den Wald. Auf dem Weg, bestiegen Marie und Merlin zum ersten mal einen Jägersitz, sammelten Stöcke, sowie wunderschöne bunte Blätter am Wegesrand, die der Wind immer zahlreicher hinunter wehte. Unsere liebsten Nachbarn waren dieses mal drei Esel. Wir wohnten sozusagen Tür an Tür mit ihnen. Marie, Merlin und Momo beobachteten sie immer wieder aus dem Fenster.

Die Esel beobachten ...

Ein Leben voller Kraft, trotz Rückschlägen

Wir hatten auf dem Hof das große Vergnügen mit Kathrin Bekanntschaft zu schließen. Kathrin arbeitete im kleinen Hofladen auf dem Holunderhof. Nachdem wir etwas im Laden miteinander gesprochen hatten, kam sie spontan zu uns zu Besuch. Wir freuten uns sehr. Wir erzählten gegenseitig und so erhielten wir einen kleinen Einblick in ihr bisheriges Leben. Wir waren sehr fasziniert von ihrer Lebensgeschichte und hätten sie liebend gerne als Alltags-Heldin interviewt. Leider hatten wir keine Gelegenheit mehr. Wer weiß, vielleicht klappt es bei unserem nächsten Besuch. Auf jeden Fall hat uns Kathrin sehr inspiriert! Vielen Dank dafür!

Eine freudige Überraschung

Außerdem besuchten wir spontan Sonias Mutter in Heidelberg. An einem Sonntag fuhren wir zuerst zu Thomas Schwester Conni, ihrem Mann Roland und holten ein paar Pakete ab. Unter anderem ein Paket von Kirsten und Uwe, sehr herzliche Kabe-Freunde (siehe Reisebegleiter-Brief Nr. 1). Dieses enthielt herrliche Geschenke für uns: Eine selbstgemachte, maßgeschneiderte, weihnachtliche Decke für unseren Tisch, Filzpantoffeln für Marie und Merlin, sowie ein kleines Kissen für Momo. Und drei kleine elektronische Kerzen mit Glas für jedes Kind. Wir sind sehr berührt von euren so durchdachten und liebevoll hergestellten Geschenken. Von Herzen Danke dafür, Kirsten und Uwe!!!

Ein Lichtlein brennt, erst eins, dann zwei ...

Ein Ausflug nach Heidelberg

Ein weiterer Abstecher führte uns zu Anja und Rainer in Bammental. Vielen Dank Ella, Lilly und Lotte, dass Marie, Merlin und Momo mit eurem Spielzeug spielen konnten! Es hat richtig gut getan euch fünf mal wieder zu sehen und mit euch zu reden! Viel zu kurz war die Zeit …

Passend zur Mittagszeit kamen wir bei Christine, Sonias Mutter, an. Dort angekommen, liefen Marie und Merlin voller Begeisterung die Treppen hinauf, um ihre liebe Mamie (französisch für Omi) zu begrüßen. Sie hatten sie schon sehr vermisst! So waren sie ganz aus dem Häuschen mit ihr zu malen, Bücher zu lesen, leckere Reiswaffeln mit Tahin zu essen und noch vieles mehr.

Sonia und Thomas begaben sich zwischenzeitlich mit Momo auf einen Spaziergang durch die Heidelberger Altstadt, um ein paar Weihnachtsgeschenke einzukaufen. Für Sonia ein seltsames Gefühl dort durch die weihnachtlich geschmückte Hauptstraße mit ihren Seitengässchen zu bummeln. So viele Plätze erinnerten sie an Kindheitserlebnisse. Es gibt eben nur eine Heimat!

Bunt, süß, verlockend ... Sonia

Momo ist ein Jahr bei uns!

Am nächsten Tag, den 19. November, war Momos erster Geburtstag. Wie schnell die Zeit doch vergeht! Morgens sangen wir kräftig Geburtstagslieder für das Geburtstagskind. Sogar dreisprachig, zur großen Freude von Marie und Merlin. Den Vormittag verbrachten wir in der warmen Stube, wo Momo ausgelassen mit ihren Geschwistern spielte.

Nachmittags fuhren wir ins nah gelegene farbenfrohe Dinkelsbühl. Dort suchten wir in der wunderschön bunten Altstadt ein kleines Büchlein für Momo aus. Thomas führte uns noch in ein Café, wo wir leckeren Kuchen aßen und vor allem die nette Besitzerin kennenlernten, Frau Förster. Von ihr erhielten wir den Tipp, den Film „Weit – eine Reise einmal um die Welt“ zu sehen. Eine wahre Geschichte eines Freiburger Paares, das 3,5 Jahre gereist ist, später dann auch mit einem Baby. Absolut sehenswert, wie sie meinte. Da ein eiskalter Wind pfiff, zog es uns wieder zu Emma und so verbrachten wir noch gemütliche Abendstunden in unserem Zuhause. So neigte sich ein weiterer zusammen verbrachter Tag seinem Ende zu.

Bei Frau Förster, regional, biologisch-lecker

Unsere Reise geht weiter

Am darauf folgenden Tag führte Thomas ein interessantes Alltags-Helden-Interview. Dieses mal mit unserer Gastgeberin, Siglinde Beck. Vielen Dank nochmal Siglinde, dass du uns im Wohnwagen besucht hast und unsere Fragen so bereitwillig beantwortet hast! Es war sehr spannend für uns, einen Einblick in dein Leben zu kriegen! Vielen Dank auch nochmal an Familie Beck, dass wir bei euch sein durften. Es hat uns sehr gefallen bei euch!

Zwischenstopp bei Thomas Schwester in Öhringen

Nach dem Mittagessen fuhren wir noch am selben Tag weiter. Nächster Halt: Öhringen, bei Thomas Schwester Conni. Wir kamen dort am späten Nachmittag an und parkten Emma.

Da Connie noch unterwegs war, beschlossen wir kurzerhand Familie Jauernik zu besuchen. Bei ihnen standen wir am Anfang unserer Reise für eine Woche und hatten uns sehr wohl gefühlt (siehe Reisebegleiterbrief Nr.2). So freuten wir uns sehr, bei ihnen vorbei zuschauen und ein wenig mit ihnen zu plaudern. Außerdem kauften wir noch Schafskäse und -Joghurt ein. Immer wieder sehr lecker. Als wir wieder bei Thomas Schwester ankamen, setzten wir uns zum Ausklang des Tages noch zu ihr in die warme Stube und tauschten uns aus. Es sind diese fast alltäglichen Begegnungen mit Familie, Freunden und Bekannten, die unsere Reise so schön machen.

Auf dem Weg in die Schweiz: Zwischenstopp in Oberkirch

Am nächsten Tag fuhren wir gegen Mittag weiter nach Oberkirch, auf den Hof von Familie Müller. Nach einer Vollsperrung auf der A6 wichen wir auf die A81 und A8 aus. Endlich angekommen, wurden wir sehr herzlich von Frau Müller begrüßt. Sie zeigte uns unseren Stellplatz, sowie Toiletten und ihren kleinen Hofladen. Während Thomas Emma abkoppelte und ausrichtete, schloss Frau Müller ihren Laden eigens für uns auf. So konnten wir saftige Äpfel für Apfelmuss kaufen, Zwiebeln für Suppen und Apfelsaft aus eigener Herstellung. Außerdem durften Marie, Merlin und Momo sich kleine hübsche Kürbisse aussuchen, die wir auf unseren Mittagstisch stellten.

Anschließend aßen wir eine Kleinigkeit und fuhren mit Anton weiter nach Schiltigheim, bei Straßburg. Sonia ließ sich dort epilieren, während Thomas und die Kinder leckere Reiswaffeln einkauften. Abends fuhren wir zurück auf den Hof. Vielen Dank, Frau Müller, für ihre Herzlichkeit! Ihr Hof hat uns die Durchreise sehr versüßt!

Der Hofladen von Frau Müller

Zielort Wisen in der Schweiz

Am nächsten Tag fuhren wir dann weiter in die Schweiz. Die ohnehin schon lange Autofahrt, stellte sich als schwierig heraus, da die A5 durch einen Unfall gesperrt war. So wichen wir auf Nebenstraßen aus, waren jedoch nicht die einzigen mit diesem Gedanken. Statt den geplanten 2 Stunden Fahrt, waren wir fast doppelt so lange unterwegs. Zum Glück machten die Kinder den Umständen entsprechend gut mit!

Der längste Tankvorgang der Welt

Vor der Schweizer Grenze tankten wir nochmal. Es war der längste Tankvorgang in unserer Geschichte. Mit unseren 15 Metern Länge ist Tanken an normalen Tankstellen ein Abenteuer. Zuerst warteten wir auf einen freien Zugang, was circa 10 Minuten dauerte (gefühlt noch länger). Nach dem Tanken stellte sich die Frage, wie wir rauskommen würden, da es – wie wir erkannten – nur einen Ausgang gab und der war genau am für uns falschen Ort. Eine kurze Ortsbesichtigung von Thomas ergab zum Glück eine Wendemöglichkeit, die wir nach einiger Kommunikation mit anderen Autofahrern frei bekamen. So konnten wir erleichtert wieder die Tankstelle verlassen.

Für die vier geplanten Tage in der Schweiz wollten wir keine 70 Euro für zwei Vignetten (Anton UND Emma) ausgeben, die dann bereits im Januar 2019 wieder abgelaufen wären. Zumal unser Zielort ca. 25 Minuten von der Grenze und über normale Straßen erreichbar war. Wir befürchteten, dass die letzten Meter abenteuerlich werden würden, und das wurden sie dann tatsächlich. Der Weg führte vom Dorf eine sehr, sehr schmale Straße den Berg hinauf. Wir hofften inständig, dass uns kein Auto entgegenkommen würde. Auf einer Zwischenstation, erblickten wir Monika, eine Freundin von Thomas. Wir hatten uns am Zielort mit ihr verabredet.

Gleich sind wir oben!

Wollt ihr da „wirklich“ rauf?

Monika fragte uns, ob wir wirklich weiter fahren wollten. Es wäre doch sehr eng da oben. Martin, der Bauer, der hier auf uns wartete, meinte jedoch, wir sollten ruhig hochfahren. Also stiegen wir wieder in Anton, Emma hinten dran, und fuhren in eine noch schmalere Straße einen steilen Berg hinauf. Scharfe Kurve nach links, zweimal rechts und wir standen auf dem Feldweg vor dem Hof.

Als wir an unserem Zielbauernhof ankamen, waren wir überwältigt von der Schönheit dieses Ortes. In der Ferne konnte man die Alpen sehen mit ihren schneebedeckten Gipfeln. Über uns ein strahlend blauer Himmel. Überall wo das Auge hinblickte Weite und Platz. Martins Biohof lag auf dem Gipfel eines Hügels, über dem Nebel, der das Tal bedeckte. Sie hatten hier alles, was wir uns nur wünschen konnten. Berge, Wasser (ein Badeteich war direkt neben unserem Stellplatz angelegt), Bäume, reine Luft, Stille, Abgeschiedenheit, wunderschöne Natur zum Spielen und viel Platz zum Austoben. Einfach schön!

Ein Blick für Götter

Unser schlechtes Gewissen, Monika nicht wie vorgesehen im gemütlichen Wohnwagen willkommen heißen zu können (durch unsere viel längere Anreise), verflog schnell. Es stellte sich nämlich heraus, dass unser Gast die seltene Gabe besaß, die Augenblicke des Lebens so zu nehmen, wie sie sich präsentieren. So wartete sie gut gelaunt mit uns bis der Besitzer unseres vorübergehendes Zuhauses den Berg hochkam und uns sagte, wo wir Emma abstellen konnten.

Knete für die Kinder

Zwischenzeitlich war die Sonne hinter den Alpen verschwunden, so dass es kühler geworden war. So hatten wir schnell Unterschlupf bei Emma gesucht. Dort wurden wir zur Krönung des Tages auch noch reich beschenkt: Monika hatte den Kindern Knete und uns leckere Schokolade mitgebracht. Marie und Merlin waren ganz begeistert von ihrem Geschenk und spielten so lange es ging damit.

Unendliche Welten taten sich auf

Als dann feststand, wo wir uns hinstellen konnten, fuhr Thomas Emma im Dunkeln einen kleinen Hügel, zwischen Teich und Garage, hoch. Dort kuppelte er ab und platzierte Emma an der Garage entlang. Dann beschlossen wir jedoch den ganzen Wohnwagen nochmal zu drehen, so dass wir am Abreisetag ohne Probleme den Hügel wieder hinunter fahren konnten. Zum Glück war Monika dabei, die sich rührend um Marie und Merlin kümmerte, während Thomas und Sonia mit Momo auf dem Arm versuchten das große Manöver zu vollziehen.

Viel Aufwand – ohne Erfolg!

Es entpuppte sich allerdings als weit aus schwieriger als gedacht, da keine ausreichende Drehfläche zur Verfügung stand. Nach langer, gefühlt viel zu langer Zeit, gaben wir auf. Wir beschlossen es bei Tage nochmal zu versuchen. So verabschiedeten wir uns von Monika, mit der wir uns sehr gut unterhalten hatten. Viel zu schnell war die Zeit vergangen und wir bedauerten sehr, unsere interessanten Gespräche nicht fortführen zu können! Vielen Dank, Monika, dass du uns besucht hast. Vor allem aber auch, dass du dich durch die untypischen Umstände nicht beirren hast lassen und die Situation derart gut gelaunt annehmen konntest. Es war uns eine große Freude, dich zu Besuch zu haben!

Kein Strom!

Der Abend war allerdings noch nicht zu Ende. Leider hatten wir in unserer Planung nicht bedacht, dass die Schweizer ein anderes Steckdosensystem haben, als wir Deutschen. Ohne Adapter konnten wir kein Stromkabel anschließen. Was tun? Martin, der Besitzer des Hofes hatte zwar irgendwo einen Adapter, aber leider war dieser nicht auffindbar. Als Thomas später auf die Toilette ging, entdeckte er zu unserer großen Erleichterung einen Adapter am Fön unserer Gastgeberin Selina (Sie war diejenige, die uns zu diesem Ort eingeladen hatte). So war unser Problem doch noch gelöst! Vielen Dank, nochmal Selina!

Wir lernen Selina und Csaba kennen

Selina kam dann später mit ihrem zehn jährigem Sohn Csaba vorbei und bot uns freundlicherweise warme Suppe an. Da wir aber alle nach der langen Anreise ziemlich müde waren, zog es uns ins Bett. Und so verabredeten wir uns für den nächsten Morgen.

Am nächsten Tag lernten wir Selina und Csaba richtig kennen. Wir unterhielten uns zunächst draußen und dann im Wohnwagen. Selina war mit ihrem Sohn vor rund einem Jahr hergezogen. Sie wohnten zur Miete unterhalb von Martins Wohnung. Selina hatte sich gleich in diesen Ort verliebt. Csaba geht auf eine Rudolf-Steiner-Schule. Nach eigenem Bekunden, die beste Schule überhaupt. Wie schön, wenn man das behaupten kann!

Und Emma dreht sich doch!

Gemeinsam mit den beiden gelang es uns dann doch noch Emma zu wenden: und zwar indem wir sie Rückwärts den Hügel hinunter manövrierten, wendeten, und dann anders herum wieder hinauf fuhren. Dabei fungierten Selina, Csaba, Sonia, Marie, Merlin und Momo als Gegengewicht am Bug von Emma, so dass sie nicht wie am Vortag wegkippte. Sehr abenteuerlich!

Ein Badeteich vor der Türe

Der finnische Gast

Nachdem wir uns gut unterhalten hatten, lud uns Selina ein, mit ihr in den nahegelegenen Wald zu gehen. Und zwar an eine besondere Stelle, an der wir Feuer machen und musizieren konnten. Wir richteten unser Proviant und liefen los. Selina stellte uns bei dieser Gelegenheit ihren finnischen Gast, vor, der das Holz zum Feuermachen trug.

Später erfuhren wir, dass er vor einem Jahr an einem Lebenstiefpunkt angekommen war. Er beschloss sein Leben zu verändern, verkaufte sein gesamtes Hab und Gut und zog nur mit einem Rucksack bepackt um die Welt. Als wir ihn trafen saß ein strahlender junger Mann vor uns, dem man die Lebenslust förmlich ins Gesicht geschrieben sah. Unglaublich, wie manche Entscheidungen das gesamte Leben derart nachhaltig verändern können.

Auf zu einem magischen Ort

So stapften wir gemeinsam los. Die Stelle war sehr liebevoll angerichtet: Sie bestand aus einer Feuerstelle, umgeben von kleinen Sitzen aus Baumstämmen, sowie einem großen Gong. Daneben waren große Steine ebenfalls kreisförmig angelegt. Zum gemütlichen Plaudern geradezu prädestiniert. Ein magischer Ort.

Selina trommelt im Wald

Wir machten uns sogleich daran, Feuer zu machen. Selina hatte ihre selbstgemachte Trommel und diverse andere Instrumente mitgenommen, sowie ein Mantrabüchlein in unterschiedlichen Sprachen. Außerdem hatten wir leckeren warmen Tee, Äpfel, Reiswaffeln und Tahin zum Verspeisen. So verbrachten wir einen herrlichen gemeinsamen Vormittag im Wald um ein Feuer sitzend … plaudernd, singend und musizierend! Ein denkwürdiges Erlebnis! Ein herzliches Danke dafür, Selina, Csaba und an den Finnen (dessen Namen wir leider nicht mehr erinnern können).

Einkaufen ohne Franken

Am Nachmittag half Thomas Selina beim Verstauen einiger Dinge, die sie für den Schulbasar benötigte. Dieser sollte am nächsten Tag in der Schule von Csaba stattfinden.
Anschließend machten wir uns auf den Weg ins Dorf, wo wir einen Adapter und eine neue Sicherung (unsere war durch die Belastung von zu vielen Geräten, gesprungen) suchten. Leider gab es eine solche Sicherung in mehreren Läden nicht. Doch wir fanden einen passenden Adapter. Dabei kamen wir in ein Geschäft, in dem uns die netten Verkäufer – wir hatten keine Franken – einen Adapter fast geschenkt hätten, oder uns eine passende Kabeltrommel ausleihen wollten. Sonia und Thomas waren sehr berührt von dieser Gastfreundschaft.

Marie fotografiert sehr gerne

Ein Schulbasar in der Schweiz

Am nächsten Tag fuhren wir zum Bazar der Walldorf Schule. Wir parkten am Fuße des Hügels und wurden mit einem eigens dafür vorgesehenen Shuttel Bus nach oben gefahren. Sehr Praktisch! Oben angekommen, konnten wir bereits im Eingang stehend, einen Teil der bunten Dinge, die zum Verkauf standen, bewundern. Und so verbrachten wir dort die nächsten Stunden. Es gab allerlei Wunderbares: Kleider, Spielzeug, Bücher, Schals, Essen, Stände zum Filzen, zum Malen, zum Schneiden, zum Schmieden und und und. Am längsten hielten wir uns jedoch unter dem Dach, in einem kleinen Stübchen, auf. Dort konnten die Kinder malen, mit Puppen spielen, Türme bauen …. und einfach Sein. Nachmittags verließen wir die Schule wieder und kehrten zu Emma zurück.

Christina von Dreien – das Eltern-Kind-Seminar

Und dann kam der große Tag. Das Seminar mit und von Christina von Dreien, wofür wir unter anderem in Deutschland gebliebenen waren. An dem Tag passierte viel …

Hier ein kleines Fazit: Christina von Dreien war genauso wie wir sie uns vorgestellt hatten. Ein zierliches junges Mädchen mit, für unsere Gesellschaft, außergewöhnlichen Gedanken. Sie saß auf einer Bühne, zusammen mit einem Moderator und drei anderen Referenten. Thema waren die Eltern und Kinder der neuen Zeit. Es wurde viel geredet. Weitestgehend allerdings nichts Neues von Seiten der drei Referenten. Christina von Dreien selbst äußerte sich selten. Wenn dann aber auf äußerst interessante Weise. Wir bedauerten sehr, dass sie nicht alleine dort oben stand und uns an ihren Gedanken teilhaben ließ.

In Kürze einige ihrer Aussagen, so wie wir sie verstanden haben:

Die Erde liebt uns
Unsere Erde ist ein Lebewesen. Sie ist weiblich. Sie braucht uns nicht um zu überleben. Wir sie allerdings schon. Wir brauchen die Natur. Und dennoch zerstören wir sie. Was für eine Liebe bringt sie uns entgegen, dass sie uns dennoch auf sich duldet!
Wir erklären unsere Zukunft für krank
Es gibt derzeit immer mehr verhaltensauffällige Kinder, wie wir sie nennen. Wir stigmatisieren sie mit einem Etikett (ADHS und und und) und signalisieren ihnen, dass mit ihnen etwas nicht stimmt. Dabei sind sie unsere Zukunft. Wir erklären unsere Zukunft also für krank (unsere Kinder müssen häufig mit Medikamenten still gelegt werden) und halten statt dessen an der Vergangenheit fest (das bestehende Schulsystem).
Die Kinder als Maßstab
Es gab eine Zeit, als die Volksschule durchaus ihre Berechtigung hatte. Die ist allerdings rum. Es ist Zeit unser System an die Bedürfnisse unserer Zukunft auszurichten. Die Kinder sind dafür ein wunderbarer Maßstab!
Widerstand als Zeichen
Wenn Kinder gegen etwas Widerstand leisten und sogar krank werden, dann ist es nicht für die Zukunft tauglich. Sie sind die Zukunft!
Christinas Schule entsteht
Christina hat nun ein Gebäude für ihre geplante Schule gefunden. Es braucht eine Schule, in der Kinder mit ihrem Herzen verbunden bleiben können. Es braucht Menschen, die kreativ denken. Selber denken. Und nicht wiederkäuen, was ihnen aufgetischt wird. Die Planungen können nun konkreter werden (weitere Infos gibt es auf ihrer Homepage)
Erhalten, was da ist
Kinder kommen mit einer großen Begeisterung auf die Welt. Sie gehen mit Begeisterung in die erste Klasse. In der fünften Klasse tun sie es nicht mehr. Warum? Wir müssen uns doch fragen, was da schief läuft? Es müsste doch eine Schule geben, die unsere Begeisterung erhält.
Menschen machen Realität
Strukturen sind, doch erst die Menschen erschaffen sie zur Realität. Genau wie Gesetze, sie werden erlassen — doch erst durch die Menschen werden sie wirksam. Wenn Gesetze nicht umgesetzt werden, haben sie keine Wirkung.

Passend dazu ein Zitat von Susan Neiman

"Nach der verbreiteten Auffassung heißt erwachsen sein, auf die eigenen Hoffnungen und Träume zu verzichten, die Grenzen, die uns die Realität setzt, zu akzeptieren und sich mit einem Leben abzufinden, das weniger aufregend und bedeutsam ist, als man anfangs angenommen hat. Weil es uns nicht gelungen ist, Gesellschaften zu schaffen, in die unsere Jugend gerne hineinwachsen möchte, idealisieren wir die Phasen der Kindheit und Jugend."

Interessante Kontakte

Interessante Kontakte zu knüpfen war mit eines unserer Anliegen für diesen Tag. So viele anders denkende Menschen an einem Ort, begegnen wir nicht jeden Tag …  So freuten wir uns sehr, die Bekanntschaft von ein paar wirklich sehr netten Paaren zu machen.

Ein ebenfalls interessanter Punkt war der, dass fast die Hälfte der Teilnehmer Lehrer waren. Ihre Unzufriedenheit mit dem aktuellen System und die Suche nach neuen Bildungsmöglichkeiten war die Motivation für ihre Teilnahme. Das gab uns Hoffnung!

Offensichtlich suchen immer mehr Menschen nach alternativen Lebens- und Bildungsweisen. Für uns ein Ausdruck einer bestehenden Unzufriedenheit mit den aktuellen Begebenheiten. Aber anstatt uns gegenseitig zu kritisieren und mit den Finger zu zeigen, lasst uns nach vorne schauen und gemeinsam an unserer Zukunft basteln!

Denn wenn wir uns zusammen tun – Eltern, Kinder und Lehrer – dann kann was wirklich machtvolles entstehen! Zusammen sind wir stark! Wir halten die Zukunft in unseren Händen. Wenn wir nicht unsere Zukunft gestalgen – wer soll es dann tun?

Für die Kinder war genügend Raum vorhanden

Stellplätze dieser Etappe

Wisen (Schweiz)


Wisen, Schweiz

Müllers Bauernladen

http://www.muellers-bauernladen.de
Lindenstraße 53, 77704 Oberkirch, Deutschland

Holunderhof Lohe

http://www.holunderhof-lohe.de
Lohe 2, 85732 Oettingen, Deutschland

Karte der besuchten Orte und Menschen

Dieser Beitrag hat einen Kommentar.

  1. Merci beaucoup. C’est bien agréable de pouvoir vous suivre par la pensée même avec un certain décalage.
    J’ai bien aimé, Sonia, ce que tu as écrit dans le Blog des mamans héroïques.
    Ce qui est en fait pour moi le plus intéressant est de savoir comment vous vous sentez au cours de ce voyage, quelles expériences sont positives ou négatives pour vous et quelles sont les conclusions que vous en tirez.
    Une chose manque, à mon avis, c’est ce que Marie et Merlin pensent de cette nouvelle vie… (Momo est sans doute encore un peu petite). Peut-être pourriez-vous rajouter une rubrique contenant les réflexions spontanées des enfants.

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