Eure Kommentare nach dem vorletzten Beitrag: “Wie kann ich mein Kind trotz Stress liebevoll begleiten” haben mir den Impuls gegeben, mich selbst im Alltag verschärfter zu beobachten. Und zwar mit dem Fokus: “Was genau löst in mir eigentlich Stress aus?”

Meine Erwartungshaltung

Ich konnte folgende Beobachtung machen: mich stresst im Grunde alles, was nicht meinen Erwartungen entspricht.

Mich stresst es, wenn mein Kind sich nicht dann anzieht, wenn ich es haben will. Mich stresst es, wenn die Kinder nicht wie im Bilderbuch schön miteinander spielen, sondern sich nur streiten. Mich stresst es, wenn ich das Essen zu einer bestimmten Uhrzeit auf dem Tisch haben will und ich aber nicht wie erwartet ruhig kochen kann. Die Liste ist endlos.

Hm, das macht mich nun ehrlich gesagt etwas stutzig. Denn ich habe in den 34 Jahren, die ich auf der Erde weile, durchaus am eigenen Leibe erfahren dürfen, dass das Leben nun wirklich nicht planbar ist und sich in keinster Weise kontrollieren lässt. Schon dreimal nicht mit Kindern. Dass im Alltag mit Kindern etwas nicht so funktioniert, wie ich es mir vorstelle, ist eher die Regel als die Ausnahme. Sprich: wenn ich die Erwartung habe, dass in meinem Alltag mit drei Kindern, alles nach meiner Pfeife tanzen soll, habe ich verdammt schlechte Karten …

Was tun?

Wie wäre es mit: annehmen was ist? Puh, das klingt vom Verstand her alles gut und schön. Aber wenn ich mir diesen Gedanken im Alltag vorstelle, komme ich ins Schwitzen! ALLES ANNEHMEN WAS IST? Und wo bleiben dann meine Bedürfnisse? Muss ich dann zu allem ja und amen sagen? Das schießt mir als erstes durch den Kopf.

Nein, überlege ich weiter. Das bedeutet es auch nicht. Denn meine Bedürfnisse gehören ja auch zu dem was ist. Da kommt mir ein Satz in den Sinn, den meine damalige Kinesiologie Lehrerin Petra Wagner zu uns sagte: “Liebe ist, annehmen was ist!” So allmählich leuchtet mir ein, was sie damit gemeint haben könnte.
Also gilt es vielmehr, die Bedürfnisse jedes Familienmitglieds zu beachten und versuchen einen Weg zu finden, der soweit es möglich ist, für alle Beteiligten tragbar ist.

Langsamkeit bringt schlechte Laune

Oh, das klingt wiederum nach viel Aufwand. Ich kann ja nicht jede Minientscheidung auf diese Weise treffen. Dann komme ich ja gar nicht mehr voran.
Und da stoße ich auf ein weiteres Hindernis in mir. Ich merke, dass ich im Grunde den Anspruch habe, dass die Alltagssachen alle möglichst schnell vorbei gehen, damit ich endlich zu dem Punkt komme, an dem ich Zeit für mich habe. Und wenn es mir nicht schnell genug geht, dann kriege ich schlechte Laune.

Wie wäre es aber, wenn ich einfach mal ausprobieren würde, den Augenblick zu genießen, so wie er ist? Vielleicht hätte ich dann gar nicht mehr ein so dringendes Bedürfnis, nach Ruhe und eigener Zeit. Wenn ich aufhören würde mich innerlich so zu hetzen, dann könnte ich in aller Ruhe durch den Alltag gehen und die Schönheit um mich herum sehen. Vielleicht würde mich das dann wiederum so erfüllen, dass ich am Ende des Tages nicht ausgepowert, sondern gut gelaunt ins Bett gehen würde.

Hm, ich merke, wie sich immer noch einiges in mir sträubt. Aber auf der anderen Seite, weckt es meine Neugier, etwas anderes auszuprobieren. Ja, ich glaube, ich fange gleich mal damit an …

Meine Fragen an Dich

Was kommt dir in den Sinn, wenn du diesen Text liest?

Was löst in dir Stress aus?

Wie gehst du damit um?

Über mich

Sonia

Sonia

Heldenmama mit Leib und Seele, begleitet 3 Kinder

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. 1. Was denke ich beim Lesen?
    Wenn ich das lese, dann denke ich an die fiese Falle „Ich leide, weil ich (spirituell) nicht gut genug bin“. Ich „sollte“ alles lieben und annehmen.

    2. Was löst bei mir Stress aus?
    Räumliche Enge (ich brauche noch ‚mein‘ Zimmer), Zeitnot, den Schmerz anderer (z.B. meines Kindes oder anderer Familienmitglieder) zu sehen – und noch schlimmer: wenig oder nichts tun können dagegen (bzw das Gefühl zu haben). Erwartung und Wirklichkeit- klar, das auch.
    Ich denke, eine (gefühlte) Handlungsunfähigkeit ist für mich sehr stressig.

    3. Was tue ich?
    Ich nehme mir Zeit und übe, mich genauso wichtig zu nehmen wie andere. Ich poche auf ‚meinen‘ Raum. Klar reflektiere ich auch Erwartungen. Ich übe, meine Grenzen zu spüren und zu kommunizieren. Ich suche nach Handlungsmöglichkeiten- seien sie noch so klein. Ich habe gelernt, Verantwortung abzugeben und muss nicht mehr ‚alles alleine‘ schaffen (dies ist nicht mehr mein Anspruch, aber ich erwische meinen Geist oft dabei, das immer wieder zu glauben). Und sehr wichtig: Ich überdenke SEHR oft die von mir gewählten Strategien zur Bedürfnisbefriedigung und lasse anderen Strategien (mittlerweile) auch eine Chance.

    Fühle sehr mit Dir! Alles Liebe für Euch!

    1. Liebe Elke!
      Ja, diese Falle, zu glauben, ich müsste jetzt zu allem ja sagen, ist fatal! Da möchte ich wirklich aufpassen. Von daher danke, dass du es in deinem Kommentar nochmal erwähnst! Ich möchte annehmen nicht mit zu allem ja sagen verwechseln. Sondern vielmehr annehmen ohne zu werten. In mich reinhören, ob es sich für mich stimmig anfühlt. Und wenn nicht, ganz klar eine Grenze ziehen. Aber irgendwie ahne ich schon, dass das ein großes Übungsfeld für mich wird …

      Auch sehr interessant für mich ist einer deiner letzten Sätze: “Ich überdenke SEHR oft die von mir gewählten Strategien zur Bedürfnisbefriedigung und lasse anderen Strategien (mittlerweile) auch eine Chance.” Dieses Reflektieren über die eigenen Strategien und offen zu bleiben für Andere, die man vielleicht in einem früheren Lebensabschnitt abgelehnt hat, möchte ich mir merken! Die Gefahr bei mir besteht nämlich schon ab und zu mit Scheuklappen durch das Leben zu gehen. So nach dem Motto: Das hat sich für mich bewährt, also bleibt es dabei. Alles andere ist nichts für mich!” Ja, vielleicht gilt das für Jetzt. Aber wer weiß, wie es in ein paar Jahren aussieht. Ich finde es eine bemerkenswerte Kunst, auf der Welle des Lebens zu surfen. Sprich: mit dem Lebensfluss zu fließen. Nicht dagegen.
      Vielen Dank, Elke, für deine interessanten Impulse! Die Gespräche mit dir/ euch fehlen einfach! Ich drücke dich!
      Sonia

Schreibe einen Kommentar

Menü schließen

Unsere Heldenreise mit einer Spende unterstützen

Wir freuen uns über jede Spende, damit wir mit unserer Heldenreise noch mehr Menschen erreichen können. Du kannst per Paypal spenden. Du brauchst dazu kein Paypal-Konto, sondern kannst dies ebenso per Kreditkarte tun.