Seit die Nationalsozialisten den Begriff „Held“ genutzt haben, haftet ihm in Deutschland ein fader (und fataler) Beigeschmack an. Helden, sind seit dem Ende des 2. Weltkrieges in Deutschland nicht mehr erwünscht. Vielleicht noch im Fußball, wo jemand durch ein super wichtiges Spiel ein Held werden kann. Dann jedoch nur auf den Sport bezogen. Helden feiern wir noch im Kino, als nicht-reale Figuren, die übernatürliche Kräfte haben. Wir sind ein heldenloses Land.

Der Held als Fehler im System

Zivilcourage wird gesellschaftlich gewünscht – aber bitte nur wenn es mit dem bestehenden Erwartungs-System übereinstimmt. Und natürlich nur, wenn dieses Handeln sich im Rahmen von (aktuell geltendem) Recht und Ordnung bewegt. Ein Verhalten wie in Frankreich, wo die Menschen in gelben Westen die Autobahnen blockieren – ist in Deutschland undenkbar. Keiner käme auf die Idee, die Autobahnen zu blockieren. Das darf „man“ doch nicht. Lenin wird folgendes Zitat zum Thema zugeschrieben: „Wenn diese Deutschen einen Bahnhof stürmen wollen, kaufen die sich erst eine Bahnsteigkarte!“.

Paul Klee berühmter Satz:

„Das Genie ist der Fehler im System.“

lässt sich wunderbar auf unsere Zeit in Deutschland übertragen:

„Der Held ist der Fehler im System.“

Kritiker statt Helden

Statt des Helden zelebrieren wir in Deutschland den Kritiker. Wir haben an allem etwas auszusetzen, nichts ist uns gut genug. Statt aufbauender Worte, gibt es hier Belehrung, Abwertung und Besserwisserei.

Dabei hat vor über 200 Jahren der Franzose Joseph Joubert gesagt:

»Kinder brauchen Vorbilder, keine Kritiker.«

Dieser Spruch gilt heute noch, nicht nur für Kinder. Ich passe ihn gerne an:

»Wir brauchen Helden, keine Kritiker!«

Wer wirtschaftliche Leistung zeigt, erfährt Anerkennung

Ein Held sein, dass ist in Deutschland möglich, wenn man wirtschaftliche Leistung gezeigt hat, die weit über die Erwartungen hinaus geht. Erfolgreiche Unternehmer sind (meist) lokale fast-Helden. Dietmar Hopp zählt dazu. Allerdings nur in der Wirtschaft. Im Sport wird er meist in fremden Stadien nicht als Held, sondern als Störer und Feind betrachtet. Während sich andere Länder an Sponsoren freuen, jagen wir sie in Deutschland am liebsten aus den Stadien.

Wehe du liebst dich selbst

Wer sich selbst als Held bezeichnet, wird meist mit gerümpfter Nase verbal und nonverbal abgewertet. Eigenlob stinkt – so lernt es jedes Kind in Deutschland. Damit vernichten wir jegliche Selbstliebe, oder den Stolz auf sich selbst. Wir zerstören die Freude am Mut, die Lust am Risiko. Wir fördern die Gleichmacherei, den Einheitsbrei.

Doch wer kann andere wirklich lieben, wenn er sich selbst nicht liebt?

Unsere Sprache verrät uns

Es beginnt ebenso mit der Sprache. In Politik und Wirtschaft sprechen wir von Arbeitsplätzen, Wirtschaftsfaktoren, Investitionsmitteln, Humankapital, Kompetenzprofilen …

Wir sprechen nicht von mündigen Bürgern, von Menschen. Wir sehen durch diese Wortwahl keine Menschen mehr, wir sehen nur noch Funktionsträger. Diese Funktionsträger müssen sich so anpassen, dass das System für sie Verwendung hat. Dass das System für die Menschen da ist, und nicht umgekehrt, haben wir vergessen.

Wir lieben die tragischen Helden

Passend für Deutschland lieben wir tragische Helden. D. h. Menschen, die etwas unmögliches versucht haben, jedoch gescheitert sind. Für sie empfinden wir Mitgefühl. Ihnen hören wir gerne zu. Sie bestätigen unserer Aversion gegen Helden.

Helden sind Vorbilder. Und Vorbilder haben wir in Deutschland über die Zeit verloren. Früher waren Politiker, Polizisten, Pfarrer, Unternehmer, Ärzte (…) noch Vorbilder. Doch jeder dieser Berufe hat durch Skandale nicht nur gelitten, sie wurden als Vorbilder vernichtet. Politiker denken nur an ihre Macht, Pfarrer und kleine Jungs tun nicht gut, Manager füllen sich die Taschen, Ärzte dienen der Pharmaindustrie – nur ein Beispiel für jede Berufsgruppe, das zum Sturz als Vorbild führte.

Helden überzeugen durch ihr Leben

Jeder kennt Negativbeispiele, nur wenige Menschen wissen von Vorbildern zu berichten. Es fehlen Menschen, zu denen wir aufschauen können. Die uns durch ihr Leben als Vorbild dienen. Uns fehlen Helden, die ihren Weg gehen, selbstbestimmt und klar. Helden, die Eigenschaften LEBEN, von denen andere nur reden. Helden beugen sich nicht der Gewalt oder der Drohung, sie gehen ihren Weg. Jesus schrieb keine Bücher – Jesus folgte seiner inneren Stimme und handelte.

Ich bin der Meinung, dass unser Land wieder mehr Helden braucht. Wir brauchen wieder mehr Vorbilder.

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