Heute habe ich eine Mail von Tina erhalten. Tina und ich kennen uns nicht, das heißt, wir sind uns noch nie begegnet. Aber sie schrieb uns, unter anderem, über ihre persönlichen Hürden in der Begleitung ihrer Tochter, die 5 Jahre alt ist. Und prompt hatte ich das Gefühl, sie ewig zu kennen. Ich konnte mich so sehr in ihre Schilderungen wiederfinden, dass es mich inspiriert hat, diesen Blog zu schreiben.

Wie ihr auf unserer Homepage sehen könnt, haben wir drei kleine Kinder (5, fast 3 und fast 1). Derzeit fällt es mir persönlich besonders schwer, unsere Älteste, Marie, liebevoll zu begleiten. Es gibt häufiger Situationen, in denen sie sich stark behauptet und das auf eine laute und eindringliche Art. Und wenn sie nicht zufrieden ist, kann sie schon mal ausholen und andere Kinder schlagen. Was mir dabei schwer fällt ist, dass ich in meiner Begleitung den Anspruch habe, ihren Willen und ihre Persönlichkeit nicht zu brechen. Dennoch möchte ich ihr aber eindeutige Grenzen zeigen, aber auch einen liebevollen Umgang vorleben. Das heißt, sie anzuschreien, zu bedrohen oder gar handgreiflich zu werden, kommt für mich idealerweise nicht in Frage. Da lebe ich ihr ja selber nicht vor, was ich gerne hätte.

Ja, ich reagiere vielmehr ähnlich wie sie. Wenn ich nun aber klar sage, dass ich das nicht möchte und Ihr Empathie gebe, habe ich nicht wirklich das Gefühl, dass es bei ihr dauerhaft ankommt. Wisst ihr was ich meine? Dann kommt der große Schlafmangel und anderer Stress in irgendeiner Form daher und prompt erwische ich mich dabei, wie ich in alte Muster verfalle und ihr sage: „Wenn du das jetzt noch einmal machst, dann höre ich mit dem Spiel auf!“ Rumps. Wie war das mit dem nicht Drohen wollen???

Parallel zu dem Ganzen geht dann auch noch in mir ab: wenn sie so reagiert, dann ja vermutlich, weil wir ihr das in irgendeiner Weise vorleben. Sprich: Mea culpa! Peitsche raus und rumps… ich bin die Böse! Dann komme ich richtiggehend in einen Teufelskreislauf, weil ich mir die Schuld gebe … gestresst bin … so reagiere, wie ich es nicht haben möchte und zack …mich wieder dafür auspeitsche!

Am Liebsten würde ich viel gelassener und humorvoller mit Allem umgehen. Aber wenn ich dann sehe, wie sie ihrem kleinen Bruder mit dem Einkaufswagen voll in den Rücken fährt, weil er was hat, was sie auch gerne hätte, brennt bei mir einfach eine Sicherung durch. Und vorbei ist es mit dem Verständnis… Warum kann eine Kinderbegleitung, die auf Vertrauen und Liebe basiert nicht einfach schwarz weiß sein? So nach dem Motto: „Ich lerne das Handbuch einmal auswendig und dann hat sich die Sache??? ….

Meine Fragen an Dich

Kennst du solche Momente, wenn du nicht mehr weiter weißt und scheinbar gar nichts mehr mit den Kindern klappt?

Hast du für Dich Tricks gefunden, wie du in Stressmomenten nicht einfach nur reagierst, sondern bewusst so handelst, wie du es haben möchtest?

Was bist du für ein Typ, wenn es darum geht, die ideale Art der Kinderbegleitung zu finden? Reagierst du eher aus dem Bach heraus? Oder liest du Fachliteratur dazu?

Über mich

Sonia

Sonia

Heldenmama mit Leib und Seele, begleitet 3 Kinder

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Dieser Beitrag hat 6 Kommentare

  1. Hallo liebe Sonia

    Wie schön, euch durch eure Homepage ein wenig begleiten zu können 🙂
    Ich denke immer wieder an euch!

    Toll, dass du einen Blog machst. Und bei deinem Beitrag musste ich gleich an unsere Begegnung auf der Straße denken als wir beide völlig genervt und fertig waren, weil die Kinder uns an den Rand des Wahnsinns gebracht haben. Und wir uns erzählten, dass wir beide in solchen Momenten denken, wir haben alles falsch gemacht. Und schon ging es uns besser 🙂
    Somit ist deine erste Frage schon beantwortet.
    Zur zweiten Frage: In Stressmomenten ist es für mich gut, wenn ich meine Aufmerksamkeit versuche, auf mich zu lenken, undzwar wenn es noch nicht zu spät ist. Ich sage das meinen Kindern dann auch: „Ich muss mich jetzt mal um mich kümmern, ich kann gleich nicht mehr und dann werde ich wütend.“ Meine Kinder bleiben dann meist genauso nervig, aber wenn ich es trotzdem schaffe, für mich zu sorgen (z. B. in Ruhe meinen Kaffee trinke), ist es meist schon viel besser. Außerdem habe ich gerade das Buch „Gewaltfreie Kommunikation“ gelesen und aktuell lese ich „Dich durch meine Herz sehen – Gewaltfreie Kommunikation für Eltern“. Kann ich nur empfehlen 😉 Hier wird noch Mal klar, welche Automatismen in uns wirken, besonders als Eltern.
    Und Frage drei ist somit eigentlich auch beantwortet. Allerdings merke ich, dass umso mehr Fachliteratur ich lese desto freier werde ich. Ich entscheide immer mehr intuitiv, weil ich mich immer wohler fühle in meiner Mutterrolle.

    Ich schicke euch allen eine feste Umarmung und ich denke darüber nach, wie ich euch konkret unterstützen kann.
    Weiterhin alles Gute 🙂
    Isi

    1. Liebe Isabel!

      Wow, Dankeschön für deinen Beitrag! Die Literatur habe ich gleich notiert. Von GFK haben Tom und ich schon ein paar Seminare belegt. Aber irgendwie ist mir diese Literatur entgangen. Vermutlich, weil es vor den Kindern war 🙂

      Auch dein Hinweis, rechtzeitig innezuhalten und dich um dich zu kümmern, klingt für mich sehr gut! Das werde ich gleich heute mal versuchen umzusetzen!

      Ja, unsere Begegnung habe ich noch gut vor Augen. Seitdem fühle ich mich dir noch verbundener. Seltsam, oder? Weil wir vermutlich ähnliches durchmachend bzw. an dem Tag durchgemacht hatten.

      Ich habe mich sehr gefreut von dir zu lesen, Isabel! Und hoffe, wir sehen und hören bald wieder voneinander!

      Ich drücke dich!

      Sonia

  2. Liebe Sonia,

    ich danke dir für deine lieben Zeilen an mich und dass ich dich inspieren durfte bzw. habe.

    Ich freue mich sehr auf deinen Blog und den Austausch und die vielen Tipps mit „Gleichgesinnten Mamis :)“

    Aaalso ich habe viel Inspiration, Kraft und Halt in den (Hör)Büchern von Jesper Juul gefunden aber besonders easy und leichter zu greifen waren für mich diese Bücher die inhaltlich auch Jesper ähneln, aber von zwei Mamis (Danielle Graf & Katja Seide) geschrieben wurden, die aus ihrer eigenen Erfahrung und der aus ihrem Berufsleben berichten und mir schon sooo oft eine große Hilfe waren:

    „Das gewünschteste Wunschkind aller Zeiten treibt mich in den Wahnsinn (Jahre 1-4) und

    „das gewünschteste Wunschkind aller Zeiten treibt mich in den Wahnsinn : Gelassen durch die Jahre 5-10“

    Letzteres kaufte ich zu erst, da unsere Maus schon 5 Jahre ist und es hat mir wirklich viel geholfen auch über mich mehr zu lernen.

    Alte Muster anzugehen und mein Kind weniger aus der „Erwachsenen-Erwartungshaltungsperspektive“ zu betrachten, was es wirklich einfacher macht, die eigenen Handlungen zu überdenken zumindest wenn man es rechtzeitig schafft sich zu beruhigen – klappt ja leider nicht immer 🙁

    Auch Thema in den Büchern, was schon beschrieben wurde, sich Auszeiten zu nehmen wenn die Wut hoch kocht und das klar seinem Kind zu kommunizieren.

    Ich atme erst mal tief durch und dann sage ich unserer Tochter ich muss mich mal kurz 5 min zurück ziehen sonst platze… klappt nicht immer aber ich erkläre ihr mehr, rede viel kindgerechter mit ihr und vor allem versuche sie und ihre Meinung mehr einzubinden. Frage sie was sie möchte, wenn es für mich aber nicht stimmig ist, erkläre ich ihr, warum ich das nicht so gut finde und frage sie, was sie denkt wir tun könnten damit wir uns beide wohl fühlen. Bspw. bei Bekleidungsproblemen, wenn es kalt ist und Maus will ohne Jacke etc. raus…. Kompromisse suchen und finden wird in dem ersten Buch schon gut beschrieben. Man kann das schon mit 1 Jahr sanft beginnen und bis die Kinder dann 4-5 sind bauen sie es automatisch in ihren Alltag ein – das hat mich beeindruckt … hätte ich das Buch nur früher schon gelesen …

    Ich entschuldige mich auch viel bewusster bei ihr, wenn ich mich mal im Ton vergreife und erkläre ihr warum Mami jetzt soo (doof) reagiert hat (Stress ect) und ich lasse sie wissen, dass es nicht OK ist und ich hätte mich eher zurück ziehen sollen…

    Resultat ist einmal, dass unsere Tochter es uns dankt mit Verständnis weil sie es wertschätzt, dass wir sie ernst nehmen aber natürlich maßregelt sie uns auch bei nächstem Falschverhalten und meist muss ich dann Lächeln und eingestehen – sie hat recht….

    Es ist nicht einfach, aber wir dürfen Fehler machen!!! Kinder brauchen nur ehrliche authentische Eltern die ihre Fehler eingestehen können, sie lieben sie ernst nehme und wertschätzen.

    Die Bücher waren für mich eine gute Inspiration mit vielen direkten Beispielen aus dem wahren Erziehungsleben einer Bedarfs-und bedürfnisorientierten Erziehung und ich bin sehr dankbar für die Tipps und Tricks der beiden Autorinnen (haben auch einen Blog eröffnet)

    Kinder kooperieren immer – das wollte ich so erstmal nicht so ganz glauben, tun sie aber, nur kooperieren sie nicht immer so, wie wir Kooperation verstehen. Kinder kooperieren auch spiegelverkehrt und zeigen uns oft auch unser Schattenkind statt das Sonnenkind das muss man nur erkennen um damit umgehen zu können …

    Mir haben die Bücher viel gegeben, da muss jeder seins finden, aber alles was liebevollen Umgang mit Kindern beschreibt und Hilfestellung gibt finde ich erwähnenswert daher hier mein Tipp 😉

    Ich freue mich über weitere Anregungen, Ideen und Tipps von euch tollen Heldenmamis 🙂

    Herzliche Grüße

    Tina

    1. Liebe Tina!
      Vielen Dank für deinen Beitrag!
      Es klingt sehr stimmig für mich, was du da erzählst. Da kamen in mir die Bilder hoch: ein Erwachsener und ein Kind, die Hand in Hand den Weg beschreiten (die Kommunikation, die du beschreibst). Und: ein Erwachsener, der mit verschränkten Händen über dem Kind steht (die Kommunikation, die standardmäßig oft abläuft).
      Vielen Dank auch für die Literaturtipps. Die beiden Damen kannte ich jetzt gar nicht. Ich werde sie gleich mal googeln.
      Es ist ein so schönes Gefühl, wenn wir uns als Mamis zusammenschließen und uns austauschen. Ich glaube, gemeinsam lässt sich der Weg als Mama leichter gehen! Danke für deine Unterstützung!
      Alles Liebe
      Sonia

  3. Liebe Sonia,
    ich habe jetzt hier deinem Blog quergelesen und möchte kurz ein/zwei Gedanken loswerden.

    Was mir aufgefallen ist, dass es anscheinend Marie, die Älteste, ist, die dich am meisten fordert. Dabei fiel mir ein kurzes Gespräch ein, , welches wir in Heidelberg hatten, Marie war noch einziges Kind und noch recht klein. Damals sagtest du sinngemäß, dass du bei dir aufpassen musst, Marie nicht zu überfordern (deine damaligen Gründe für diese Sorge sind mir nicht mehr ganz präsent), es ging darum, dass Marie sonst zu wenig Kind sein kann/darf.
    Wenn ich jetzt von den Streitereien bei dir lese, kommt bei mir der Gedanke, ob Marie sich darüber Aufmerksamkeit holt, die ihr, als 5 jährige, vielleicht an anderer Stelle fehlt?
    Weil sie die Älteste ist? Weil sie, unbewusst, Rücksicht auf ihre kleinen Geschwister nehmen muss?
    Ist dieses lautstarke Behaupten von Marie, vielleicht genau das Gegenteil, was du dir wünschst und erhoffst von deinen Kindern? Was du ihnen vorlebst? Kommst du vielleicht deshalb gerade an deine Grenzen?

    Diese Gedanken wollte ich dir kurz mit dir teilen.

    Es ist schön, über die Homepage ein wenig von eurer Reise miterleben zu können und zu dürfen. Ich bin mitten in den Vorbereitungen für meine “Heldenreise“, eine ganz Andere, aber für mich unendlich Aufregende und Wichtige.
    Herzliche Grüße
    Rita

    1. Liebe Rita!
      Tja, was soll ich sagen. An meinem innerlichen Unbehagen, merke ich, dass du mit deinem Kommentar ins Schwarze getroffen hast. Gerade heute Abend, als ich die KInder ins Bett brachte, hatte ich diesen Gedanken: obwohl Marie nicht viel älter ist, als Merlin und Momo, ist sie immer die Große. Die Große, die doch vernünftig sein sollte … es besser wissen sollte … Das ist sicherlich schwer für sie. Ich merke auch, dass sie leider diejenige ist, die am wenigsten Körperkontakt zu mir hat. Weil als erstes Momo da ist, dann Merlin … und dann steht meistens das nächste an. Ja. Danke Rita, dass du mich an diese Falle erinnerst. Ich denke, ein Hauptschlüssel ist sicherlich, ihr mehr das Gefühl zu geben, dass ich sie über alles liebe und sie von mir gesehen wird!
      Ich wünsche dir für deine Heldenreise alles Gute! Ich bin so gespannt, was du von Brasilien erzählen wirst!
      Wie schön es sein muss, die Wahlheimat deiner Tochter zu besuchen und ein Stück weit in ihre Welt einzutauchen!
      Ich schicke dir ganz liebe Grüße!!!
      Sonia

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